Krisenbank wieder an der Börse

Im Dezember hatte der italienische Staat die Krisenbank Monte dei Paschi mit Milliardenhilfen gerettet und von der Börse genommen. Heute wird die Aktie wieder gehandelt – es dürfte ein riesiges Verlustgeschäft werden.


Dass es jetzt doch so schnell geht, damit hatte in Italien niemand gerechnet. Erst Ende Oktober sollte es soweit sein, doch Dienstag früh gab die Börsenaufsicht Consob überraschend ihr Okay und seit diesem Mittwoch morgen um neun Uhr ist Monte dei Paschi nach Monaten zurück an der Mailänder Börse.

Die Börsenaufsicht hatte die Krisenbank, die 2016 einen Verlust von 3,38 Milliarden Euro verbucht hatte, am 22. Dezember des vergangenen Jahres vom Parkett genommen, nachdem der Versuch einer Kapitalerhöhung mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro gescheitert war. Die Investoren wollten schlicht kein frisches Kapital mehr in die schlingernde Bank geben, die am meisten von allen Instituten in Italien unter der Bürde der faulen Kredite litt. Zum Vergleich: Die Großbank und HVB-Mutter Unicredit legte fast zeitgleich erfolgreich eine Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro hin, die als historisch in die Geschichtsbücher der italienischen Wirtschaft einging.



Der Staat rettete Monte dei Paschi. Seit Dezember ist das Finanzministerium Hauptaktionär mit 53,5 Prozent. Eigens war ein Regierungspaket zur Rettung angeschlagener Banken mit Staatsgeldern im Parlament verabschiedet worden, mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro, von denen 4,5 Milliarden für die Krisenbank aus Siena vorgesehen wurden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Kapitalbedarf von Monte dei Paschi zuvor mit 8,8 Milliarden Euro veranschlagt. Neben den 4,5 Milliarden vom Staat kam der Rest aus einem Aktienumtausch.

Monatelang hatten die EZB und die EU-Kommission auf eine Lösung gedrängt, tagelang wurde verhandelt. Und auch untereinander waren sie nicht einer Meinung. Bis sie dann die Rettung durch den Staat mittels der sogenannten vorsorglichen Kapitalisierung genehmigten.

Finanzminister Pier Carlo Padoan wies in den vergangenen Monaten immer wieder daraufhin, dass Italien, das am meisten unter den faulen Krediten leide, wegen der seit Anfang 2016 geltenden Regel der Gläubigerhaftung nicht die passenden Instrumente hätte nutzen können, wie es andere Länder zuvor gemacht hätten. Es sei allerdings jetzt Sache der Banken, sich von der „exzessiven“ Menge der notleidenden Kredite zu befreien.

Immerhin, ein Anfang ist gemacht. Von den insgesamt 55 Milliarden Euro an faulen Krediten in den Büchern der Bank aus Siena übernimmt der Bankenrettungsfonds Atlante 26 Milliarden. Und die EZB-Bankenaufsicht bescheinigte vor ein paar Tagen, dass die Banken in Italien insgesamt im zweiten Quartal in größerem Umfang faule Kredite abgebaut haben als die Banken in anderen Euro-Ländern. Sie hätten ihren Bestand an notleidenden Krediten um rund ein Fünftel auf 212 Milliarden Euro verringert.



Bei 15 Euro lag der Kurspreis im vergangenen Dezember. Jetzt sieht es anders aus. Die Papiere notierten am Vormittag bei 4,73 Euro und damit deutlich unter den 6,49 Euro, zu denen im August die Regierung in Rom eingestiegen war, um eine Pleite der ältesten Bank der Welt zu verhindern. Der Aktienkurs werde zunächst vor allem die emotionalen Reaktionen der Investoren widerspiegeln, sagte Roberto Russo, Chef des Händlers Assiteca SIM. „Es wird Monate dauern, bis die Bewertung in erster Linie die Finanzkraft der Bank abbildet.“

Die Bank selbst hat am 30. September den Aktienpreis mit 4,28 Euro angegeben, Analysten hatten für den ersten Handelstag eine Schere von 4,30 Euro bis 4,60 Euro erwartet. Händler rechnen an den ersten Tagen mit großer Volatilität. Wenn sich der Wert so einpendelt, verliert der Staat mehr als eine Milliarde Euro. Deshalb will das Finanzministerium an der Beteiligung festhalten – mit der Hoffnung auf Gewinne in der Zukunft.

Dafür muss der strikte Sparkurs in Siena eingehalten werden. Bis 2021 will Monte dei Paschi nach dem Strategieplan vom Juli jede fünfte Stelle streichen und 600 der 2.000 Filialen schließen. In vier Jahren soll die Bank dann bereits nach Plan einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften.

Die Zahlen fürs dritte Quartal kommen statt am 27.Oktober erst am 7. November, heißt es aus Siena. Dann soll auch bei der Hauptversammlung der Verwaltungsrat bestimmt werden.