Krisen-Tarifvertrag für Metallindustrie vereinbart

Beschäftigte im Stahlwerk Salzgitter

Unternehmen und Arbeitnehmervertreter in der Metall- und Elektroindustrie haben sich mitten in der Corona-Pandemie auf einen Krisen-Tarifvertrag geeinigt. Er soll Unternehmen und Arbeitsplätze sichern und gilt bis Ende des Jahres. Lohnerhöhungen sind ausgesetzt, dafür gibt es Regelungen, um finanzielle Einbußen der Beschäftigten bei Kurzarbeit zu minimieren. Auch zusätzliche freie Tage für die Kinderbetreuung wurden vereinbart.

Den Tarifvertrag schlossen die Tarifparteien im Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen, wie beide Seiten am Freitag in Düsseldorf mitteilten. Andere Bezirke dürften ihn weitestgehend übernehmen. Die IG Metall Baden-Württemberg und die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen kündigten an, sie wollten darüber "schnellstmöglich" mit den Arbeitgebern verhandeln. In der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland arbeiten rund 3,9 Millionen Menschen.

Der Krisen-Tarifvertrag sieht im Einzelnen vor, dass die Beschäftigten in Kurzarbeit etwa 80 Prozent des Nettolohns bekommen. Dafür werden auf der einen Seite Sonderzahlungen reduziert - die Arbeitgeber auf der anderen Seite zahlen einen Zuschuss von 350 Euro je Vollzeitbeschäftigtem. Über die konkrete Verwendung können Arbeitgeber und -nehmer in jedem Betrieb selbst entscheiden.

Eltern von Kindern im Alter bis zwölf Jahre können laut dem Krisen-Tarifvertrag wegen der Kita- und Schulschließungen acht freie Tage für die Kinderbetreuung nehmen statt des Zusatzgeldes. Dazu bekommen sie mindestens fünf freie Tage ohne Anrechnung auf den Urlaub, das Entgelt wird weitergezahlt.

Der sogenannte Solidartarifvertrag 2020 tritt nach Angaben der Tarifpartner sofort in Kraft. Er kann bis 31. Dezember gekündigt werden. Die Tarifparteien orientierten sich beim Abschluss an dem Tarifvertrag aus dem Krisenjahr 2010 nach der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, Arndt Kirchhoff, erklärte, jetzt müsse alles getan werden, die Unternehmen gut durch die Krise zu bringen. Die Metallarbeitgeber hätten "größtes Interesse" daran, ihre Beschäftigten an Bord zu halten.

Der nun gelungene Abschluss "ist ein Beitrag zur Abfederung der Corona-Krise und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt", lobte der Chef der IG Metall, Jörg Hofmann. "Millionen von Beschäftigten wird mit diesem Abschluss die Angst vor massiven Einkommensverlusten durch Kurzarbeit genommen." Solche Branchenregelungen würden auch in anderen Branchen kurzfristig angestrebt.

In der Metall- und Elektroindustrie wollten die Tarifparteien in diesem Frühjahr eigentlich über einen Zukunfts-Tarifvertrag verhandeln, um Herausforderungen wie den Umbau in der Autoindustrie oder die Digitalisierung anzugehen. Dies wurde nun auf das kommende Jahr verschoben. "Die großen Herausforderungen der Transformation bleiben auf der Tagesordnung", erklärte Hofmann.