Fall Aubameyang: Darum greift Bosz jetzt durch

Christoph Küppers

Trainer Peter Bosz kommt bei den Spielern von Borussia Dortmund gut an. Der Niederländer gilt als "Spielerversteher": Er spricht viel mit seinen Profis, gibt ihnen Freiheiten und appelliert damit an die Eigenverantwortung. Im vielfach reglementierten Fußballgeschäft wissen das viele BVB-Akteure zu schätzen.

Vor allem nach der in dieser Hinsicht dunklen Zeit unter Boszs Vorgänger Thomas Tuchel sorgte Boszs neuer Führungsstil für eine neue Stimmung im Klub. Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen erzählen, sie würden wieder gerne zur Arbeit kommen.


Stellvertretend darf wohl die Aussage von Torwart Roman Bürki gelten, der in dieser Woche im exklusiven SPORT1-Interview verriet: "Der Trainer und sein gesamter Staff verbreiten wirklich eine gute Stimmung. Es existiert eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit."

Allerdings wurde diese Zusammenarbeit nun auf die Probe gestellt - ausgerechnet von einem der absoluten BVB-Superstars.

Aubameyang hat überreizt

Am frühen Donnerstagnachmittag tauchte Toptorschütze Pierre-Emerick Aubameyang nach SPORT1-Informationen eine satte halbe Stunde zu spät am Trainingszentrum in Dortmund-Brackel zur Abschlusseinheit vor dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart auf.

Es soll nicht die erste Verfehlung des Gabuners dieser Art gewesen sein. Zuletzt hatte Aubameyang von seinen Mannschaftskameraden immer wieder Kopfschütteln geerntet. Mal kam er zu spät zum Training, mal legte er den Fokus trotz sportlich diffiziler Situation lieber auf Video-Drehs mit YouTube-Stars nach dem Training.


Nun hatte davon sogar Peter Bosz genug. Dem Niederländer, der Aubameyang lange Narrenfreiheit gewährte und ihm in dieser Saison sogar schon einen kurzen Sonderurlaub gewährte, suspendierte seinen Superstar für das extrem wichtige Spiel beim Aufsteiger in Stuttgart.

Bosz zieht die Zügel an

Der Niederländer setzt damit ein unmissverständliches Zeichen: Trotz seiner offenen, toleranten Art allen Spielern gegenüber, gibt es auch unter Bosz klare Regeln, an die sich jeder im Team zu halten hat - auch ein vermeintlicher Superstar.

Bosz setzt damit eine kleine, aber feine Kurskorrektur der letzten Wochen fort. Seit dem Tief der vergangenen Wochen (ein Sieg aus sechs Pflichtspielen) tritt der Niederländer - der  wegen seines risikoreichen Systems selbst in die Kritik geraten ist - deutlich forscher und entschlossener auf.


BVB-Linksverteidiger Raphael Guerreiro erklärte in dieser Woche im Bild-Interview: "In der Ansprache ist der Trainer zurzeit auch direkter und lauter." Tatsächlich kritisierte Bosz sein Team zuletzt deutlich häufiger, sprach nicht mehr nur intern schonungslos offen die Probleme an. So als wolle er zeigen: Es ist Schluss mit lustig!

Zur neuen Bosz-Härte passen jetzt auch die Konsequenzen in Bezug auf Aubameyang. Der Gabuner selbst kann seine Ausbootung zwar nicht wirklich verstehen ("Dieses Mal verstehe ich es wirklich nicht. Ich wollte nicht zu spät kommen!"), vor allem im Mannschaftskreis dürfte sie aber als eine deutliche Warnung des Trainers wahrgenommen werden: Jeder Spieler hat sich dem Erfolg des Vereins unterzuordnen. Sonst fliegt er!

BVB-Bosse unterstützen harte Linie

Diese Haltung gefällt auch den BVB-Bossen. Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc unterstützen den Trainer in seiner Konsequenz. Zorc kritisierte schon vor zwei Wochen nach der 2:4-Auswärtspleite bei Hannover 96 die "pomadige und selbstgefällige Leistung" einiger Spieler.

Boszs neue Härte könnte ein entscheidender Meilenstein in seiner Zeit als BVB-Coach sein - zumindest wenn der BVB heute Abend beim VfB Stuttgart (20.30 Uhr im LIVETICKER) gewinnt.

Verlieren seine Schwarzgelben auch dieses Spiel, hat Bosz in der Krise eine weitere Patrone verschossen. Und der Druck wächst weiter.