Kriminalgericht: Missbrauchsprozess: "Es war mein Arzt, ich vertraute ihm"

Der angeklagte Arzt (sitzend) soll eine Frau durch Medikamente handlungsunfähig gemacht und sie vergewaltigt haben

Ronald S.* hat sich seitlich auf seinen Stuhl gesetzt und blickt die Zeugin unablässig an; mal grinsend, mal schürzt er verächtlich die Lippen. Er ist von ihr kaum zwei Meter entfernt. Manchmal beugt er sich auch ein Stück vor, um ihr noch ein Stück näher zu sein – als könne er sie sonst nicht verstehen. Vielleicht ist es seine Art, Empörung über falsche Beschuldigungen auszudrücken. Vielleicht – vieles spricht dafür – will er die Zeugin einfach nur verunsichern und einschüchtern. Es geht um viel in diesem Prozess vor einem Moabiter Schöffengericht. Der 53-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs Widerstandsunfähiger und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er sagt am Donnerstag zu Prozessbeginn nicht, dass die Vorwürfe falsch sind. Er macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Wie üblich bei derartigen Konstellationen steht Aussage gegen Aussage. Umso wichtiger ist in diesem Prozess, wie glaubhaft das – je nach Sicht mutmaßliche oder vermeintliche – Opfer ist. Jene Frau, die Ronald D. nicht aus den Augen lässt. Die 37-jährige Verena D.* versucht, ihn nicht zu beachten. Sie ist bemüht, sich möglichst an jedes Detail zu erinnern. Den Angeklagten kennt sie seit Mai 2012. Er ist Oralchirurg, die Juristin kam auf Empfehlung in seine Praxis. Es war zunächst eine ganz normale Arzt-Patientin-Beziehung. Er half ihr auch, als sie gegen eine andere Zahnärztin wegen eines Kunstfehlers erfolgreich klagte. Im Juni 2015 , sie hatte mal wieder ein Zahnproblem, brachte sie einen Blu...

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