Der gute Ruf ist fast verloren

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Der gute Ruf ist fast verloren
Der gute Ruf ist fast verloren

Etwas mehr als drei Jahre ist es nun her, dass „Wenger out“ zur Realität wurde.

Nach fast 22 Jahren und 1223 Pflichtspielen musste Arséne Wenger im Juni 2018 seinen Hut beim FC Arsenal nehmen. Der Abschied der Trainerlegende war fast alternativlos - doch seitdem haben die Gunners viel von dem Glanz eingebüßt, den sich der Klub rund um den Coach verdient hatte. Legendär die „Invincibles“ - die Unbesiegbaren. 2004 wurde Wenger mit Thierry Henry und Arsenal ungeschlagen englischer Meister.

Längst vergangene ruhmreiche Tage, die wohl noch nie so fern gewirkt haben, wie es derzeit der Fall ist. Das heutige Arsenal ist nur noch ein billiger Abklatsch vergangener Meisterteams. In diesem Sommer sollen nun die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Doch kann das gelingen?

Arsenal vor Saison ohne internationales Geschäft

Als Wenger seinen FC Arsenal verließ, wurde der Klub nur Sechster in der Premier League. Nicht akzeptabel für einen solch stolzen Klub. Doch besser wurde es seitdem nicht - im Gegenteil.

In der Spielzeit 2018/19 schlossen die Gunners die Saison zwar immerhin noch als Fünfter ab, dann folgten aber zwei achte Plätze. Nach der enttäuschenden Spielzeit 2020/21 hat sich Arsenal damit keinen Startplatz in einem der europäischen Wettbewerbe sichern können. Eine Saison ohne internationales Geschäft steht an - das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.

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Trainer Mikel Arteta hat die desaströse Spielzeit zwar überstanden, doch viel Kredit dürfte er bei Fans und Verantwortlichen nicht mehr haben. Was will er also besser machen und wie soll ein Umschwung gefunden werden? Die Antworten liegen vor allem in der personellen Konstellation.

Aubameyang bleibt wohl bei Arsenal

Mit die wichtigste dabei ist der Kapitän Pierre-Emerick Aubameyang. Nicht wenige Fußball-Fans und -Experten dachten, dass er Arsenal nun verlassen wird. Doch der Gabuner wird aller Voraussicht nach bleiben. Ein gutes Zeichen für Arteta. (Transfermarkt: Die heißesten Gerüchte im Transferticker)

Der Ex-Dortmunder ist unersetzlich im Sturmzentrum, ohne ihn ist das Team Klassen schlechter. Doch auch er konnte die Gunners nicht zu einem erfolgreichen Team machen, dazu braucht es mehr als den Superstar. Und um dem 32-Jährigen Support an die Seite zu geben, will der Klub das eigene Konto plündern - trotz Corona-Pandemie.

Der Transfer von Nuno Tavares ist bereits durch. Der talentierte Portugiese kommt für acht Millionen Euro von Benfica Lissabon. Der 21-Jährige spielt auf der Position des linken Verteidigers.

Für einen Innenverteidiger will Arsenal noch weitaus mehr Geld ausgeben: Der englische Nationalspieler Ben White soll von Brighton & Hove kommen - für 58 Millionen Euro. Laut mehreren englischen Medien ist der Wechsel durch.

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Rekordtransfer White soll wacklige Defensive stabilisieren

Wenn das der Fall ist, dann reiht sich der 23-Jährige hinter Aubameyang und Nicolas Pépé als drittteuerster Neuzugang der Gunners aller Zeiten ein. Es wäre zudem die Rekordsumme, welche der Klub für einen Abwehrspieler ausgegeben hat. White wurde bei den Three Lions für die EM nominiert, kam aber nicht zum Einsatz.

Ein teurer Transfer, der aber in die richtige Richtung gehen könnte. Immerhin stand Arsenal in den letzten Jahren durchaus ab und an für erfrischenden Offensivfußball - die Defensive blieb allerdings weit hinter derer anderer Top-Klubs zurück. Es ist eine der größten Aufgaben von Arteta, die oftmals wacklige Defensive dauerhaft zu stabilisieren.

In der letzten Spielzeit waren die 39 Gegentore in 38 Ligaspielen zwar nicht der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden, in wichtigen Spielen war die Unsicherheit in der Hintermannschaft aber dann doch zu spüren.

Die zweite Baustelle ist das Mittelfeld, das in der letzten Saison Kreativität und Klasse vermissen ließ. Arsenal konnte sich viel zu wenige Torchancen herausspielen und schoss viel zu wenig Tore. Da hilft es nicht, dass Martin Odegaard - der ein gutes Jahr bei Arsenal spielte - nach seiner Leihe nun wieder bei Real Madrid ist.

Locatelli sagte Arsenal wohl ab

Granit Xhaka will Arsenal ebenfalls verlassen - ein Wechsel zur AS Rom steht im Raum. Die Ära von Mesut Özil ist ebenfalls vorbei. Die Gunners sollen stattdessen Interesse an Wolves-Star Ruben Neves, Gladbachs Denis Zakaria, Lilles Renato Sanches und EM-Shootingsar Manuel Locatelli von US Sassuolo haben. Bei den Londonern scheint man der Meinung zu sein, dass ein großer personeller Umbruch von Nöten ist. Koste es was es wolle.

Locatelli soll den Gunners laut der Gazzetta dello Sport aber bereits eine Absage erteilt haben. Es ist ein Problem des Klubs, dass er den guten Ruf in der Fußball-Welt nach und nach verloren hat. Die Anziehungskraft für Spieler ist daher bei Weitem nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren.

Arteta wird mit dem arbeiten müssen, was er hat. Das ist allerdings auch eine Menge - Arsenal blieb in den letzten Jahren hinter den Erwartungen zurück. Einen wirklich schwachen Kader hatte der Klub eigentlich nie.

Viel Zeit wird Arteta daher wohl nicht haben, um sein Team wieder zu einem Top-Klub der Premier League zu machen. Die Vorbereitung dürfte die Fans bislang allerdings nicht gerade viel Hoffnung einflößen. Eine 1:2-Pleite gegen Hibernians und ein 2:2 gegen die Glasgow Rangers machen wenig Mut. Bedenklich war bei den Testspielen die Schwäche nach Standards, die das Team von Arteta schon eine Weile begleitet. Drei der vier Gegentore fielen nach ruhenden Bällen.

Hinten ist Arsenal in den letzten Jahren zu anfällig gewesen, bei Standards zu langsam im Kopf, im Mittelfeld ideenlos und im Angriff oftmals nicht zwingend genug. Es fehlte an dem Komplettpaket. Ob Arteta und Arsenal nun die Kurve kriegen, wird eine der spannendsten Beobachtungen des Premier-League-Stars sein.

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