Klare Ansage: Wie Heynckes Vidal in die Spur brachte

Martin Volkmar, Stefan Kumberger, Florian Mesner
Jupp Heynckes (l.) gab Arturo Vidal ein paar klare Worte mit auf den Weg. Die fruchteten schon gegen Augsburg

Arturo Vidal hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, als er die Allianz Arena verließ. Er sei "sehr glücklich und sehr zufrieden", sagte der Chilene zu SPORT1.

Das konnte er auch sein. Denn beim letztlich lockeren 3:0 gegen den FC Augsburg, mit dem der FC Bayern seine Tabellenführung vor RB Leipzig auf sechs Punkte ausbaute, zeigte Vidal seine beste Saisonleistung. (Die Tabelle der Bundesliga)

Nach 31 Minuten erzielte der 30-Jährige gegen die bis dahin hartnäckig und effizient verteidigenden Gäste das wichtige Führungstor, als er einen Abpraller blitzschnell aus der Drehung zu seinem zweiten Saisontreffer einschoss.

Und sieben Minuten später eroberte er im Mittelfeld den Ball und legte vor auf Robert Lewandowski, der zum vorentscheidenden 2:0 traf, ehe er kurz nach der Pause (49.) den Endstand folgen ließ. (Der Ticker zum Nachlesen)

Fast hätte der "Krieger" sogar ebenfalls sein zweites Tor feiern können, doch sein Kopfball prallte an die Latte statt ins Tor (51.).

Die Highlights des Spieltags am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur


Auch defensiv stark 

Doch nicht nur im Spiel nach vorne, sondern vor allem defensiv überzeugte Vidal. "Er hat unglaublich viel gearbeitet, viele wichtige Zweikämpfe gewonnen und damit Bälle schon vorne abgesaugt", meinte Niklas Süle: "Wenn er so spielt wie heute, braucht man Arturo immer in seinem Team.  In so einer guten Verfassung ist er unheimlich wichtig."

Auch Jupp Heynckes lobte den neben Lewandowski besten Münchner. "Ich bin heute mit ihm zufrieden, so wie mit allen Spielern. Ich kenne Arturo sehr gut, wir haben zwei Jahre in Leverkusen zusammengearbeitet. Ich weiß, was er zu leisten vermag", sagte der Trainer.


Klare Ansage von Heynckes 

Das war allerdings bisher offenbar nicht so. 

Deshalb war Vidal nur selten erste Wahl in dieser Saison. Und wenn, dann enttäuschte er seinen einstigen Förderer Heynckes. So wie im DFB-Pokalspiel in Leipzig, als er einen Foulelfmeter verursachte, den der Schiedsrichter fälschlicherweise zurücknahm und vor den Strafraum verlegte.

Eine Woche später beim 2:1 in der Champions League bei Celtic Glasgow stand der Mittelfeldspieler wieder in der Startelf, leistete sich aber zum wiederholten Mal zu viele Fouls und Fehlpässe. Trotzdem reagierte er sicht- und hörbar verärgert, als Heynckes ihn auswechselte.

Woraufhin der Coach für seine Verhältnisse sehr deutlich wurde: "Ich hatte vor zwei Wochen ein längeres Gespräch mit Arturo. Ich habe ihm gesagt, dass ich mit seinem gesamten physischen Zustand nicht zufrieden bin und dass er etwas verändern muss, wenn er spielen möchte."


Robben: "Hat gesehen, dass er gut trainiert hat"

Eine klare Ansage, die sich der zunächst schwer angesäuerte Vidal in der Länderspielpause offensichtlich zu Herzen nahm.

"Er hat das zwar nicht ganz so gesehen", berichtete Heynckes. "Aber er hat sich von dem Zeitpunkt an im Training anders verhalten und auch in dieser Woche überragend trainiert. So wie heute hat er in Leverkusen unter mir fast immer gespielt. Laufstark, aggressiv,fußballerisch gut - das erwarte ich auch von ihm."

Vielleicht war das Spiel gegen Augsburg die Wende für den 2015 für 35 Millionen Euro von Juventus verpflichteten Vidal, dessen Leistungskurve in den vergangenen Monaten kontinuierlich nach unten zeigte.

Schon im Sommer soll Inter Mailand über 50 Millionen Euro für den Routinier geboten haben, der noch einen Vertrag bis 2020 besitzt. Und auch aktuell sind die Italiener angeblich interessiert, Vidal zurück in die Serie A zu holen.

Mit Auftritten wie am Samstag dürfte er allerdings auch beim Nachfolger von Heynckes in München gute Karten besitzen.