Der Krieg um die Macht in der NFL

Eric Böhm

Alles begann im August im Büro von Roger Goodell.

Damals eröffnete der allmächtige Commissioner der NFL dem seinerseits mächtigen Teameigentümer Jerry Jones via Telefon, dass dessen größter Star eine Sperre von sechs Spielen erhalten werde.

In diesem Moment brach der Krieg um die Macht in der erfolgreichsten Sportliga der Welt aus. Jones schäumte vor Wut und drohte Goodell nach Informationen von ESPN: "Ich werde dir mit allen Mitteln die Hölle heiß machen. Wenn du dachtest Bob Kraft wäre schlimm gewesen, Kraft ist ein Waisenknabe im Vergleich zu mir."

Knapp fünf Monate später sind die Fronten verhärteter denn je, vor allem für Goodell geht es um seine Zukunft und sein Vermächtnis.

Sperre für Cowboys-Star Elliott als Auslöser

In der Regel legt sich mit Jones - der einflussreichen heiligen Kuh der NFL-Eigentümer - niemand an, denn dieser Kampf ist kaum zu gewinnen. Zu vernetzt, millionenschwer und stur ist der Eigner der Dallas Cowboys.

Doch Goodell ließ es mit der Sperre wegen häuslicher Gewalt gegen Zeke Elliott, obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft nicht genug Beweise für eine Anklage fanden, genau darauf ankommen.

Ihm musste klar sein, dass Jones das als Provokation auffassen würde. Schließlich war Elliott Jones' große Hoffnung auf den ersten Super Bowl für "America's Team" seit 1996.


Goodell schon länger unter Druck

Der Verweis auf Kraft macht dabei deutlich, dass Goodell schon länger unter Beschuss steht. Der Umgang mit der "DeflateGate"-Affäre um Krafts Patriots  passte vielen Eigentümern nicht, da sie Goodells Eingreifen schon damals als willkürlich und keineswegs unparteiisch empfanden.

Dazu kommen die andauernden Imageprobleme der Liga um das Problem der Gehirnerschütterungen und natürlich der von Colin Kaepernick 2016 begonnene Hymnenprotest.

In diesen schaltete sich sogar der umstrittene US-Präsident Donald Trump, der enge Kontakte zur Clique von Kraft pflegt und von ihm sogar einen Super-Bowl-Ring bekam.

Trump mischt sich in NFL ein

Trump lässt keine Gelegenheit aus, Sperren für die afroamerikanischen Spieler zu fordern oder von den sinkenden Einschaltquoten zu fabulieren - was mit der Realität wenig zu tun hat.

Trotzdem machen all diese Probleme die Sponsoren nervös, der Boss einer Pizzakette kritisierte die Liga zuletzt offen - höchstwahrscheinlich diktiert von Jones.

Alles in allem ein schlechtes Timing für Goodell, dass gerade jetzt das sogenannte Compensation Committee (bestehend aus sechs Besitzern unter dem Vorsitz von Falcons-Eigner Arthur Blank) über seine Vertragsverlängerung berät.


Neuer Vertrag für Goodell als Streitpunkt

Bis einschließlich der Saison 2018 ist Goodell noch der NFL-Boss, eigentlich war ein neuer Fünfjahresvertrag nur noch Formsache.

Denn objektiv betrachtet macht Goodell einen guten Job. Wäre er als Commissioner beliebt, würde er seinen Job nicht machen. Er war es, der den Kampf gegen die Vernachlässigung der Spielergesundheit überhaupt aufnahm - nachdem die NFL bei Kopfverletzungen jahrzehntelang den Kopf in den Sand gesteckt und sogar Kritiker mundtot gemacht hatte.

Außerdem setzte er - nicht zuletzt durch den von ihm selbst nicht gut gemeisterten Prügelskandal um Ray Rice - einen Fokus auf das generelle Betragen der NFL-Profis auch neben dem Feld.

Kraft und McNair gegen Goodell

Gerade bei den Traditionalisten machte sich Goodell mit dem teils sehr strengen Vorgehen und Erneuerungen nicht nur Freunde.

Mindestens zwei davon gehören zum Compensation Committee: Kraft und Bob McNair (Houston Texans), der unlängst mit einer dummen Bemerkung über schwarze NFL-Spieler und die Proteste auffiel ("Die Insassen können doch nicht das Gefängnis leiten").

Es ist vorstellbar, dass sie oder Jones, den Blank vor kurzem aus dem Committee warf, Goodells Forderungen von 49,5 Millionen Gehalt und einem Privatjet an die Medien lancierten, um Stimmung gegen ihn zu machen.

Showdown in Dallas

Jones will nicht vor Gericht gehen, aber er will, dass alle Eigentümer ein Mitspracherecht bei Goodells neuem Fünfjahresvertrag haben. Er und Kraft hätten lieber einen neuen Ligaboss, den sie leichter kontrollieren können.

Aktuell hat Goodell mit Blank, Clark Hunt (Chiefs), John Mara (Giants) und Art Rooney (Steelers) vier der sechs Committee-Mitglieder auf seiner Seite.

Zum Showdown wird es beim nächsten großen Meeting am 13. Dezember kommen - in Dallas.