Krieg in Afrin: Verbündete der Türkei verstümmeln gefallene Kurdin

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Barîn Kobanî ist im Kampf gegen die barbarischen Verbündeten der Türkei gefallen (Bild: Facebook)

Seit kurzem kursiert ein schockierendes Video aus dem Krieg der Türkei gegen die Kurden in Afrin im Netz. Islamistische Kämpfer, die als Hilfstruppen an der Seite der türkischen Armee kämpfen, misshandeln darin die Leiche einer kurdischen Soldatin.

Bei dem Opfer handelt es sich um die YPJ-Kämpferin Barîn Kobanî, die nach Angaben der Volksverteidigungseinheiten YPG am 30. Januar bei Gefechten in der Nähe des Dorfes Qurna gefallen ist.

Dschihadisten ergötzen sich an Leichnam

Das 13-sekündige Video, das offenbar von einem der Beteiligten selbst aufgenommen wurde, zeigt eine Gruppe Dschihadisten, die sich an dem Leichnam ergötzen. Der Frau wurden nach ihrem Tod die Oberbekleidung entfernt und allem Anschein nach im Brustbereich massive Wunden zugefügt. Dazu haben die Islamisten offenbar versucht, ihren Unterleib zu entkleiden.

Um die Leiche herum sind Olivenzweige drapiert – eine zynische Anspielung auf den offiziellen Namen der türkischen Militäraktion, “Operation Olivenzweig”. Am Ende des Videos ist der Ruf “Allahu Akbar” zu hören.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. äußerte sich mit deutlichen Worten auf Facebook zu diesem Kriegsverbrechen: “Diese unmenschliche abscheuliche Art im Umgang mit leblosen KämpferInnen ist beim IS und Al Kaida Terroristen verbreitet – sowie auch bei der türkischen NATO-Armee.”

Auch im seit Jahrzehnten andauernden Krieg der türkischen Regierung gegen die PKK wird immer wieder von Verstümmelungen gefallener Guerilla-Kämpferinnen berichtet. Zudem zerstören türkische Sicherheitskräfte gezielt Gräber von PKK-Mitgliedern.

Krieg in Afrin fordert immer mehr Opfer

Die türkische Armee kämpft seit zwei Wochen im Kanton Afrin mit diversen islamistischen Gruppen der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) gegen die dort etablierten Kräfte der SDF (Syrian Democratic Forces). Die SDF wurden ursprünglich zum Kampf gegen den IS geschaffen und bestehen neben den kurdischen Verteidigungskräften YPG und YPJ unter anderem aus sunnitisch-arabischen und christlichen Milizen.

Bei den andauernden Gefechten in der Region Afrin wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen und der Krankenhausverwaltung in Afrin bereits über 100 Zivilisten getötet. UNICEF teilte mit, dass bisher 11 Kinder Opfer der türkischen Angriffe wurden.

Vor dem Hintergrund des Vorgehens der Türkei, die ohne Rücksicht auf Zivilisten und Kulturgüter agiert, warnt UNICEF in seiner neuesten Stellungnahme: “Auch im Krieg gelten Regeln, aber diese Regeln werden in Syrien jeden Tag aufs Neue gebrochen.”