Kretzschmar: Viele wollen Gensheimer scheitern sehen

Martin Hoffmann
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Einst war er der bunteste Hund des deutschen Handballs - nun wählt er in der Diskussion um den Nationalmannschaftskapitän klare Worte.

Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar findet die Kritik an Uwe Gensheimer wegen dessen Leistungen bei der WM in Ägypten unfair und sieht ihn als Opfer bösartiger Mechanismen.

Stefan Kretzschmar wittert Neiddebatte

"Ich kann mich in Uwe relativ gut reinversetzen", sagte der 47-Jährige am Dienstagabend bei DHB Spotlight, der Webshow des Deutschen Handball-Bunds: "Wenn du der Star der Mannschaft bist, polarisierst du. Viele in unserer Gesellschaft wollen den Star gern scheitern sehen. Das hat auch mit Neid zu tun."

Gensheimer sei "der Star der Rhein-Neckar Löwen, des Nationalteams, da gucken Leute argwöhnisch auch ihn, auch missgünstig: In den Medien wird viel um den Star kreiert, der Star gewinnt Spiele, verliert Spiele. Uwe ist das Opfer, das ist hart für ihn." Die Kritik an dem Linksaußen nach dem deutschen Hauptrunden-Aus sei in dem Ausmaß "respektlos" und "unfair".

Kretzschmar, seit vergangenem Jahr Sportvorstand der Füchse Berlin, zog auch eine Parallele zu der Kritik an Christian Prokop, dem Anfang 2020 entlassenen Nationalcoach (und Kretzschmars Weggefährten beim SC DHfK Leipzig): "Bei Christian Prokop war es ähnlich, der ist jetzt weg, nun haben wir einen neuen Prellbock gefunden."

Zuspruch für Gensheimer äußerte an gleicher Stelle auch Pascal Hens, Weltmeister von 2007. Gensheimer sei "einer der besten Linksaußen der Welt", die Diskussion um ihn sein "aufgebauscht".

Kritik an Uwe Gensheimer: Markus Baur erklärt sich

Auch Hens' Weltmeister-Kollege Markus Baur war bei der DHB-Webshow zu Gast - und stemmte sich gegen den Eindruck, die Gensheimer-Debatte in böser Absicht geschürt zu haben. Seine kritische Meinung über Gensheimers Auftreten bei der WM sei "mein Eindruck und nichts Persönliches" gewesen.

Er könne "absolut nachvollziehen", wenn seine Aussagen von der Mannschaft nicht positiv aufgenommen worden seien, im Kontext des Interviews hätte er sie aber "nicht schlimm" gefunden.

Der Weltmeister von 2007 hatte im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten auf die Frage, was der von zahlreichen Ausfällen beeinträchtigten deutschen Mannschaft fehle, unter anderem geantwortet: "An Führungskraft und -qualität, an der nötigen Organisation auf dem Feld, damit die Basics beherzigt werden". Konkret nach Gensheimer gefragt und wie er sich erkläre, dass dieser seiner Bestform hinterherlaufe, hatte Baur geantwortet: "Vielleicht ist es zu viel für ihn: Ein wichtiger Spieler zu sein und Kapitän der Mannschaft. Seine Körpersprache erstaunt mich. Uwe wirkt im Nationalteam nicht so aufrecht, nicht so selbstbewusst wie bei den Löwen."

Gensheimer hatte sich zuletzt mehrfach gegen die Kritik an seiner Person zur Wehr gesetzt, sprach im ZDF von "Missgunst und Neid", der bei Kritikern im Spiel sei und womöglich auch Hintergedanken wegen seiner "Vereinszugehörigkeit". Der DHB, Bundestrainer Alfred Gislason und mehrere Teamkollegen hatten sich hinter ihn gestellt.