Kretschmer erwartet Corona-Welle bis Ostern und Rekordzahl an Toten

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Corona-Test-Station in Duisburg (AFP/Ina FASSBENDER)

Die vierte Corona-Welle wird nach Einschätzung von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bis Ostern dauern und eine Rekordzahl an Toten bringen. Die Zahl der registrierten Neuinfizierten stieg am Wochenende weiter auf neue Höchststände - sie übersprang am Sonntag die Schwelle von fünf Millionen. Ärztevertreter erwarten, dass die Kliniken Corona-Patienten deutschlandweit verlegen werden müssen.

"Wir stehen erst am Anfang eines harten Winters: Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen", sagte Sachsens Regierungschef Kretschmer der "Bild am Sonntag". "Diese vierte Welle wird mehr Opfer, auch mehr Todesopfer, verlangen als alles, was wir bisher kannten."

Dennoch glaubt Kretschmer, dass ein Lockdown in der Weihnachtszeit derzeit noch zu verhindern sei. "Aber die Zeit läuft uns davon." Er forderte daher, Kontakte zu reduzieren und größere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte abzusagen.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen stieg nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf 289,0 und erreichte damit den siebten Tag in Folge einen neuen Höchststand. Sie gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an. Erst am Montag hatte der Wert die Schwelle von 200 überschritten. Seitdem wurden täglich neue Höchstwerte registriert.

Die Gesamtzahl der registrierten Infektionsfälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie kletterte auf 5,021 Millionen die Gesamtzahl der verzeichneten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion auf fast 98.000.

"Ich habe mir noch nie in der Pandemie so große Sorgen gemacht wie jetzt", sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen werde in den kommenden Wochen so weit steigen, dass mancherorts eine überregionale, vielleicht sogar deutschlandweite Verlegung nötig sein werde, um in besonders betroffenen Regionen rechtzeitig für Entlastung zu sorgen.

"Die Patienten, die wir jetzt aufnehmen, sind nicht in sieben Tagen wieder weg. Inzwischen liegt die durchschnittliche Verweildauer eines Covid-Patienten auf der Intensivstation bei etwa zwei Wochen", sagte Johna weiter. Schwerstkranke müssten manchmal mehrere Wochen bis Monate versorgt werden.

Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einem langfristigen Personalmangel in Pflegeberufen. "Viele Beschäftigte aus der Pflege haben ihrem Beruf massenhaft den Rücken gekehrt, obwohl sie ihn lieben", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler der "Bild am Sonntag". Die vierte Welle habe "das Fass zum Überlaufen gebracht". Die Krankenversorgung sei gefährdet und zwar "nicht nur in der Pandemie, nicht nur in den Krankenhäusern, sondern auch darüber hinaus".

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" eine "kräftige Corona-Prämie" für die Pflegekräfte. "Wir wünschen uns, dass für die Monate mit hoher Belastung der Bruttolohn netto ausgezahlt wird. Auch Nacht- und Wochenendarbeit sollte steuerfrei gestellt werden."

Der Sozialverband VdK mahnte eine bundesweite tägliche Testpflicht für Beschäftigte und Besucher von Pflegeheimen und für ambulante Pflegedienste an. "Nur eine solche Maßnahme kann die bereits rollende Corona-Infektionswelle in den Heimen noch brechen", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Eine Impfpflicht in der Bundeswehr forderte die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD). "Für Soldatinnen und Soldaten, die in den Einsatz gehen, ist eine Covid-19-Impfung bereits verpflichtend. Sie sollte für alle in der Truppe gelten, damit die Einsatzbereitschaft gewährleistet ist", sagte sie den Funke-Zeitungen.

Die Bundeswehr bereitet sich laut "Spiegel" bereits auf eine bundesweite Corona-Notlage vor. Der zuständige Generalleutnant wolle bis zu 12.000 Soldaten und Soldatinnen zur Unterstützung der überlasteten Kliniken und Gesundheitsämter mobilisieren, berichtete das Magazin. Zudem sollen uniformierte Helfer demnach bei den Auffrischungsimpfungen und der Ausweitung von Schnelltests vor Pflegeheimen und Hospitälern bereitstehen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte AFP, die aktuelle Entwicklung der Infektionslage führe auch zu einem Anstieg der Amtshilfeanträge.

ilo/ran

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