Kreise: Trump sprach mit Ökonom Taylor über Fed-Nachfolge

dpa-AFX

NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX) - US-Präsident Donald Trump hat laut Kreisen mit dem Ökonomen John Taylor über die Nachfolge von US-Notenbankchefin Janet Yellen gesprochen. Taylor habe bei Trump einen positiven Eindruck hinterlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg in der Nacht zum Dienstag. Sie berief sich dabei auf mehrere mit der Angelegenheit befasste Personen. Trump hat sich demnach mit Taylor bereits in der vergangenen Woche eine Stunde lang getroffen. Die Kandidatenwahl gilt jedoch weiter als offen.

Taylor ist derzeit Ökonom an der Universität Stanford. Er hat die sogenannte "Taylor-Regel" entwickelt. Diese soll es Notenbanken ermöglichen, durch eine vergleichsweise einfache Gleichung den Leitzins festzusetzen. In Fachkreisen ist sie allerdings umstritten. Im aktuellen Umfeld würde sie nach Berechnungen von Ökonomen zu einem fast doppelt so hohen Leitzins in den USA führen. Derzeit liegt der Leitzins in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent. Trump hatte sich allerdings noch im Juli für niedrige Leitzinsen ausgesprochen.

Die Aussichten, dass Taylor auch die Zustimmung des Senats erhalten kann, gelten als gut. "Er dürfte ein Wunschkandidat der Republikaner sein, die sich schon lange dafür einsetzen, dass sich die Fed stärker an geldpolitische Regeln hält und damit mehr Transparenz schafft", kommentierte Thu Lan Nguyen, Analystin bei der Commerzbank.

Der US-Dollar profitierte von der Diskussion um Taylor. Dies sei durchaus verständlich, sagte Nguyen. Schließlich hätten die Fed-Vorsitzenden die US-Geldpolitik in der Vergangenheit oftmals stark geprägt. "Und ich würde Taylor zweifellos als einen Kandidaten einschätzen, der ebenfalls in dieses Muster fallen würde", so die Analystin.

Weiterhin im Rennen ist wohl auch noch Amtsinhaberin Yellen. Trump will sich laut Bloomberg am Donnerstag mit ihr treffen. Allerdings hat Yellen offenbar kaum Anhänger im Umfeld von Trump. Dieser hatte Yellen im Wahlkampf immer wieder kritisiert. Nach seiner Amtseinführung hatte er sich aber positiver über sie geäußert. Ihre derzeitige Amtszeit läuft im Februar 2018 aus.

Vorigen Monat traf sich Trump bereits mit dem ehemaligen Fed-Direktor Kevin Warsh. Dieser hat laut Bloomberg allerdings geringere Aussichten. Seine akademischen Verdienste seien geringer als die der anderen Kandidaten, hieß es. Zudem wurde seine frühere Amtszeit im Direktorium der Fed von renommierten Ökonomen kritisiert. Als mögliche Kandidaten gelten auch Wirtschaftsberater Gary Cohn und Fed-Direktor Jerome Powell.

Neben der Spitzenposition in der Federal Reserve muss die US-Regierung über weitere wichtige Posten innerhalb der Notenbank entscheiden. Dazu gehört die Stelle des Fed-Vizevorsitzenden wegen des vorzeitigen Abgangs des jetzigen Vizechefs Stanley Fischer. Darüber hinaus sind zwei weitere Positionen im geschäftsführenden Direktorium (Board of Governors) der Fed zu besetzen. Das Direktorium ist eine Art erweiterte Führungsspitze der US-Notenbank.