Kreise: Citigroup entscheidet sich wegen Brexit für Frankfurt

dpa-AFX

FRANKFURT/LONDON (dpa-AFX) - Mit der Citigroup hat sich eine weitere internationale Großbank für Frankfurt als Ausweichstandort nach dem Brexit entschieden. Das US-Geldhaus werde sein Wertpapier-Handelsgeschäft innerhalb der Europäischen Union von der Bankenstadt am Main aus betreiben, sagte eine eingeweihte Person am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Wahl müsse allerdings noch in der Konzernzentrale in New York abgesegnet werden. Zuerst hatte der Fernsehsender Sky News über die Entscheidung berichtet. Ein Citigroup-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Bislang betreibt ein großer Teil der internationalen Banken ihr EU-Geschäft aus London heraus. Dieses Tor wird jedoch beim Austritt Großbritanniens aus der Gemeinschaft voraussichtlich geschlossen. Unter den EU-Finanzzentren ist deshalb ein Wettlauf entbrannt, um möglichst viel Geschäft aus London zu bekommen. Mehr und mehr kristallisiert sich nun heraus, dass Frankfurt der große Gewinner sein dürfte. Zuletzt hatten sich binnen weniger Tage alleine drei japanische Banken für die Stadt entschieden. Für Frankfurt spricht die Nähe zur Europäischen Zentralbank, der gut zu erreichende Flughafen und die bereits vorhandene Bankenszene.

Auch die Citigroup ist in der Mainmetropole bereits mit 340 Mitarbeitern vertreten. In einem ersten Schritt dürften durch die Verlagerung aber weniger als 100 neue Jobs hinzukommen, erklärte die eingeweihte Person. Vor allem gehe es um den Aufbau von Strukturen in Sachen Recht und Risikomanagement, um das sogenannte Broker-Dealer-Geschäft überhaupt betreiben zu dürfen.

Weil derzeit noch völlig unklar ist, wie der Austritt der Briten aus der EU genau abläuft, sorgen auch andere Banken vor, indem sie Lizenzen beantragen und die Rahmenbedingungen für ihr Geschäft schaffen. Der Verband der Auslandsbanken geht davon aus, dass wegen des Brexits in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen werden.