Kreditgeschäft der ostdeutschen Sparkassen boomt

Im ersten Halbjahr haben die ostdeutschen Sparkassen Kredite in Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro zugesagt – ein Rekordwert. Trotz guter Geschäfte rechnen die Institute für das Gesamtjahr mit einem Ergebnisrückgang.


Die von den ostdeutschen Sparkassen erhobenen Negativzinsen auf Einlagen von großen Unternehmen und Institutionen zeigen Wirkung. Öffentliche Haushalte zogen im ersten Halbjahr 2017 gut elf Prozent ihrer Einlagen ab, Unternehmen 8,4 Prozent, berichtete der Verbandsgeschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV), Wolfgang Zender, anlässlich der Präsentation der Bilanzzahlen. Einige OSV-Mitgliedsinstitute sind dazu übergegangen, das von der Europäischen Zentralbank erhobene Verwahrentgelt von 0,4 Prozent für Mittel, die bei ihr geparkt werden, großen Kunden in Rechnung zu stellen.

Allerdings hat diese Entwicklung nicht dazu geführt, dass die 45 ostdeutschen Sparkassen unterm Strich weniger Einlagen verbuchten. Denn mehr als kompensiert wurden die Abflüsse durch private Kundengelder. „Uns sind dabei auch Mittel von Kunden anderer Wettbewerber zugeflossen“, was Zender nicht unbedingt erfreut. „Offensichtlich suchen diese einen sicheren Hafen“, so der Verbandsgeschäftsführer. Nach wie vor wollen die Sparkassen vermeiden, dass Privatkunden mit Negativzinsen belastet werden. „Das tun wir auch, solange uns der Markt nicht dazu zwingt“, meinte Zender. Alle Kreditinstitute müssten jetzt einen kühlen Kopf bewahren.


Die Dauerniedrigzinsen haben die ostdeutschen Sparkassen offensichtlich zu neuen Rekorden bei der Kreditvergabe angestachelt. „Das Kreditgeschäft brummt“, meinte Zender. Im ersten Halbjahr sagten die Institute Kredite in Höhe von 5,35 Milliarden Euro zu, was einem Plus von 6,3 Prozent entspricht. „Das ist die höchste jemals verzeichnete Kreditzusage in einem ersten Halbjahr“, sagte der Verbandsgeschäftsführer. Das starke Kreditwachstum sei nicht auf gelockerte Kreditvergabestandards zurückzuführen, betonte Zender.
Etwas Wasser in den Wein goss OSV-Präsident Michael Ermrich: „Das boomende Geschäft wird 2017 wohl nicht ganz ausreichen, um die zinsmargenbedingt wegbrechenden Erträge völlig auszugleichen.“ Allerdings werde die Verschlechterung schwächer als erwartet ausfallen.

Bei den Instituten standen Einlagen in Höhe von 96,4 Milliarden Euro Kredite in Höhe von 51,5 Milliarden Euro (zum 30. Juni) gegenüber. Im gegenwärtigen Zinsumfeld haben die Sparkassen Probleme, frei werdende Mittel wieder ertragreich anzulegen.
Im ungünstigsten Fall erwarten die ostdeutschen Sparkassen 2017 ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,19 Milliarden Euro, das um gut acht Prozent oder 105 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis liegen würde. Im günstigsten Fall würde das Ergebnis lediglich 24 Millionen Euro unter Vorjahresniveau bleiben. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die ostdeutschen Sparkassen immer sehr konservativ kalkuliert haben.