“Kreatur” von Sasha Waltz: Getanzte Europa-Visionen

Eingesponnen in filigrane Kokons oder Abstand gebietende Stachelwesen – die Tänzer und Tänzerinnen der Choreografin Sasha Waltz in der Produktion „Kreatur“ symbolisieren vor allem die Fremden, die Ausgegrenzten. Die Gruppe ist mit dem Stück nach der Berliner Premiere im vergangenen Sommer unterwegs, Momentaufnahmen aus Athen.

Sasha Waltz , Choreografin, Tänzerin und Regisseurin:

„Das Thema ist eigentlich unser gegenwärtiger Zustand als menschliche Gesellschaft. Ich nenne es mal die verschiedenen Aspekte, mit denen wir konfrontiert sind und die ich als Herausforderungen oder als Probleme empfinde.“

Waltz untersucht in »Kreatur« mit 14 Tänzer*innen Phänomene des Seins vor dem aktuellen Hintergrund einer zerrissenen Gesellschaft: Macht und Ohnmacht, Dominanz und Schwäche, Freiheit und Kontrolle, Gemeinschaft und Isolation. Die Flüchtlingskrise ist eine Inspirationsquelle. Einer der Notausänge: Europa.

Sasha Waltz, Choreografin, Tänzerin und Regisseurin:

„Wir sind mit einer großen Veränderung konfrontiert, Menschen geraten in Bewegung und Menschen strömen nach Europa. Es gibt eine Frage, wie können wir unsere relativ gute Situation mit Menschen teilen, die weniger haben? Und gibt es eine Vision, gibt es irgendwo eine Utopie? Ich meine ja.”

Europa sei eine gemeinsame Vision.

Sasha Waltz, Choreografin, Tänzerin und Regisseurin:

„Ich meine, Europa war nach dem Krieg eine sehr wichtige Idee. Es schuf eine Zeit, des Wohlstands, in der die Wunden des Krieges heilen konnten, weil alle aufeinander zugingen. Ich meine, wir sollten uns daran erinnern. Ich denke, auch die junge Generation muss diese Idee neu mit Inhalten füllen.“

Nächste Stationen für “Kreatur”: Avignon im Juli, Österreich, Luxemburg und New York im Herbst.

su, Georgios Mitropoulos