Kreative Menschen handeln öfter unmoralisch, zeigt eine Studie — drei Gründe, woran das liegen kann

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Studienergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen Kreativität und Unmoral nahe.
Studienergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen Kreativität und Unmoral nahe.

Ist der moralische Kompass kreativer Menschen weniger stark ausgeprägt als bei nicht so kreativen Personen? Glaubt man der Analyse eines Forschungsteam unter der Leitung des französischen Persönlichkeitspsychologen Martin Storme, so lautet die Antwort: ja. Ihre Meta-Studie zu dem Thema haben sie kürzlich im Fachmagazin „Journal Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts“ veröffentlicht.

Die Untersuchung legt nahe, dass Kreativität tatsächlich mit unmoralischem Verhalten zusammenhängen kann. Storme und sein Team hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die diversen Studien, die es zu dem Thema bereits gibt (etwa diese aus dem Jahr 2012, und diese aus dem Jahr 2014) auszuwerten. Dabei schauten sie zum Beispiel, ob die Forscherinnen und Forscher regelmäßig auf die Erkenntnis gestoßen waren, dass kreative Menschen eher bestimmte Regeln brachen und schummelten.

Der Umfang ihrer Meta-Studie war groß: Sie umfasste insgesamt 6783 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 36 Studien, die in 19 verschiedenen Fachmagazinen veröffentlicht worden waren. Die verschiedenen Studien mussten bestimmte Kriterien erfüllen, zum Beispiel festgelegte Kriterien für Kreativität und Unmoral aufweisen und ausreichende statistische Informationen zur Schätzung einer Effektgröße haben. Außerdem mussten alle Testpersonen im Erwachsenenalter sein.

Storme und seine Kollegen fanden zwischen Kreativität und unethischem Verhalten einen positiven – wenn auch schwachen – Zusammenhang. Aber: Nur in den Studien, in denen Forscherinnen und Forscher unmoralisches Verhalten objektiv messen konnten, wurde dieser Zusammenhang nachgewiesen – also nicht in jenen, die auf Selbstauskünften der Teilnehmenden beruhten. Das berichtet das US-Amerikanische Psychologie-Portal „PsyPost“.

Welche Gründe gibt es für diesen Zusammenhang?

Laut „PsyPost“ gibt Stormes Studie vor allem drei Anhaltspunkte, die den Zusammenhang zwischen Kreativität und einer Neigung zu unmoralischem Verhalten erklären könnten.

  1. Kreative Menschen könnten dazu neigen, ihrer kreativen Verwirklichung einen sehr hohen Wert beizumessen. Das könne sie eher dazu bereit werden zu lassen, Grenzen anderer Menschen zu überschreiten, um an ihr Ziel zu gelangen und so auch unethische Verhaltensweisen zu legitimieren. Getreu der Devise: Der Zweck heiligt die Mittel.

  2. Es könnte auch sein, dass große Kreativität es Menschen erleichtert, Rechtfertigungen für unethische Handlungen zu finden. Das wiederum könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich sehr kreative Menschen eher unethisch verhalten. Die Autoren um Martin Storme beschreiben, dass Kreativität auch erhöhte kognitive Flexibilität bedeutet – und es somit erleichtert, Situationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und legitim scheinende Rechtfertigungen zu finden. Oder um es zuzuspitzen: Kreative Menschen sind nicht nur im schöpferischen Sinne kreativ, sondern auch dabei, sich selbst das eigene unmoralische Verhalten rechtzufertigen.

  3. Der dritte mögliche Grund für diese positive Korrelation zwischen Kreativität und unmoralischem Verhalten könnte laut „PsyPost“ sein, dass sowohl Kreativität als auch unmoralisches Verhalten oft „nonkonformistisch“ seien. Die innere Hürde, gegen eine Norm zu handeln, sei für kreativen Menschen häufig weitaus geringer – da die das durch kreative Prozesse unterschiedlicher Art sowieso bereits tun.

mwolf

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