Sieg im Vorlauf: Krause glänzt im Dauerregen

Schlechte Bedingungen, gutes Rennen: Gesa Felicitas Krause steht im Finale

Der Traum vom nächsten Coup lebt: Gesa Felicitas Krause ist in einer wahren Londoner Regenschlacht ins WM-Finale über 3000 m Hindernis gestürmt und kämpft erneut um eine Medaille.

Zwei Jahre nach ihrem sensationellen Bronze-Lauf von Peking zeigte die 25-Jährige aus Trier trotz widrigster Bedingungen eine starke Vorstellung und gewann ihren Vorlauf.

"Es hat mir nicht gefallen, dass es hier so in Strömen regnet", sagte eine erleichterte Krause nach dem Rennen in der ARD. "Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich auf dem Laufband warmgelaufen. Einfach, dass ich nicht schon vorher friere."

Im ersten und stark besetzten Ausscheidungsrennen im Olympiastadion setzte sich Europameisterin Krause in 9:39,86 Minuten vor der kenianischen Titelverteidigerin Hyvin Chepkemoi (9:39,89) durch und geht damit wie 2015 im Endlauf am Freitag (22.25 Uhr im LIVETICKER) auf die Jagd nach Edelmetall.

Die Vorgabe war im Vorlauf durchaus hoch: Nur die jeweils ersten drei Läuferinnen - in Krauses Rennen traten 14 Starterinnen an - sowie die weiteren sechs Zeitschnellsten erreichten das Finale. 

Als beste Europäerin nur Exotin

Die optimale Verfassung muss Krause, die ihren deutschen Rekord in diesem Jahr auf 9:15,70 Minuten gesteigert hat, auch haben, um es mit den Topfavoritinnen aus Ostafrika aufnehmen zu können. Unangefochten ist sie die beste Europäerin, damit allerdings auch eine Exotin unter den weltbesten Hindernis-Läuferinnen. 

"Es ging darum, einen kühlen Kopf zu bewahren", so Krause zu ihrem Vorlauf. "Die Konstellation und die Bedingungen waren sehr hart, es war sehr kalt", sagte Krause, die sich nach dem Lauf sofort eine Decke um die Schultern wickelte: "Jetzt muss ich mich schnell aufwärmen und pflegen, dann hoffe ich für das Finale auf besseres Wetter."

Bei den Olympischen Spielen in Rio hatte Krause Platz sechs belegt. "Das ist sicherlich eine Platzierung, die ich wieder anpeile", sagte Krause, die nicht von Medaillenchancen reden wollte.

Neue Bestzeit als großes Ziel

Ihren Anfang Mai erzielten Landesrekord hat sie aber ganz oben auf die Wunschliste geschrieben: "Ich möchte auf jeden Fall eine neue Bestzeit unter 9:15 Minuten laufen, wenn es das Rennen denn hergibt."

In der Geschichte von Weltmeisterschaften und Olympia gingen die Medaillen stets an die in London gesperrten Russinnen oder eben an afrikanische Läuferinnen. Einzige Ausnahmen: Krauses Bronze bei der WM 2015 in Peking und der dritte Platz der Amerikanerin Emma Coburn bei Olympia 2016 in Rio - beide sind auch in London die einzigen weißen Läuferinnen mit Podestchancen.

Krauses Crux: Die Afrikanerinnen bringen ein läuferisches Grundniveau mit, das für Europäerinnen kaum zu erreichen ist.

Die Hindernis-Weltjahresbestzeit der Kenianerin Celliphine Chespol liegt bei 8:58,78 Minuten, als beste deutsche Mittelstrecklerin lief Hanna Klein drei Sekunden langsamer - ohne dass lästige Hürden im Weg standen.