Krasse Gags oder fade Kalauer? Zum Kino-Comeback des Michael Bully Herbig

Vor 20 Jahren startete Michael Bully Herbig mit der Comedy-Show “bullyparade" seine einzigartige Komiker-Karriere. Jetzt hat er aus dem kultigen TV-Format einen Kinofilm gemacht. Doch haben die Gags von einst auch heute noch das Zeug dazu, das Publikum zum Lachen zu bringen?

Von Thomas Lassonczyk

Was hat dieser Mann für eine geniale Kinokarriere hingelegt! Mit “Der Schuh des Manitu" (2001, zwölf Millionen Besucher) und “(T)Raumschiff Surprise - Periode 1” (2003, neun Millionen Zuschauer) schuf er die zwei kommerziell erfolgreichsten Leinwandwerke des jungen deutschen Films.

Jetzt, satte 14 Jahre später, meldet sich Michael Bully Herbig zurück und will an seine Blockbuster von einst anknüpfen. Dabei greift der Ausnahmekomödiant auf Altbewährtes zurück, geht, wenn man so will, den Weg des geringsten Widerstands. Sprich: Er bedient sich bei jener Comedy-Show, die ihm einst den Weg zu Ruhm und Reichtum ebnete: die “bullyparade”, die von 1997 bis 2002 dem Privatsender ProSieben Rekordquoten einbrachte. So heißt denn auch der neue Kinofilm recht un-originell, aber unmissverständlich

“Bullyparade - Der Film". Es ist somit nach “Manitu", “(T)Raumschiff” und dem Animationsabenteuer “Lissi und der wilde Kaiser”, das 2007 “nur” noch rund 2,3 Millionen Fans vor die Leinwand locken konnte, der vierte Kinofilm, der auf dem berühmt-berüchtigten TV-Format basiert. Während sich allerdings die ersten drei Werke jeweils auf eine monothematische Figuren-Konstellation konzentrierte und im Prinzip Persiflagen auf die Karl May-Filme, das Star Wars-Universum bzw, die Sissi-Schmachtfetzen waren, scheint “Bullyparade - Der Film” ein Konglomerat aus allen Charakteren, also mehr eine Aneinanderreihung von Sketchen als Story mit stringenter Handlung zu sein. Schließlich sollen laut Pressemitteilung 24 verschiedene Figuren auftreten - vorwiegend verkörpert von Bully und seinen beiden kongenialen Mitstreitern Rick Kavanian und Christian Tramitz.

Dieses Trio allein wäre natürlich schon das Eintrittsgeld wert. Doch darf man sich durchaus fragen, ob die Gags mit Abahachi und Ranger, mit Mr. Spuck und Captain Kork, mit Franz und dem Feldmarschall heute noch funktionieren, oder ob sie nach rund 20 Jahren nicht ein wenig Patina angelegt haben? Der Dialog im ersten Teaser ist jedenfalls nur mäßig witzig. Da fragt Kaiser Franz die Kaiserin, warum sie denn neuerdings so selten in den Wald gehen würden. Worauf Sissi antwortet: “Weil wir jetzt eine Toilette im Schloss haben.“ Es gibt nur wenige Komödianten, die tatsächlich über mehrere Jahrzehnte auf gleichbleibend hohem Niveau witzig waren.

Loriot könnte man in diesem Zusammenhang nennen, oder Otto Waalkes. Andere sind indes plötzlich verschwunden wie das deutsch-türkische Duo Erkan und Stefan, an dessen Erfolg Herbig maßgeblich beteiligt war, gab er doch im Jahr 2000 bei dem gleichnamigen Kinofilm sein Debüt als Regisseur. 

Und Mario Barth, einer, der noch vor kurzem riesige Arenen und Fußballstadien füllte, kommt ebenfalls nicht mehr an - zumindest hat der Spaß-Fabrikant wohl aktuell Schwierigkeiten, für sein Programm „Männer sind bekloppt, aber sexy“ mit seinem immer gleichen Thema genügend Tickets an den Mann/die Frau zu bringen. Pikanterweise scheint Herbig selbst auch schon länger Lust auf Abwechslung zu haben. Immer wieder attestierten ihm Fachleute und Kritiker, dass er das Zeug dazu besäße, auch großes Action-Kino zu inszenieren.

Und er selbst hat schon verlauten lassen, dass er sich mit “Bullyparade - Der Film” vom so genannten leichten Fach erst einmal verabschieden möchte. Nun kann man nur hoffen, dass er sich gemeinsam mit Kavanian und Tramitz, die auch am Drehbuch mitgeschrieben haben, so richtig ins Zeug gelegt hat und nicht bloß ein aufgewärmtes Allerlei von Selbstzitaten präsentiert, sondern mit etwas Neuem, Überraschendem, ja Unerwartetem verblüffen wird. Ob dem so ist, werden wir schon bald erfahren. Denn ab dem 17. August wird so ziemlich jedes wichtige Kino hierzulande “Bullyparade - Der Film” in sein Programm aufnehmen. Schließlich kann das Comedy-Trio nach wie vor auf eine große Fangemeinde zählen. Und die wird sich Mitte August schon aus lauter Neugier auf den Weg ins nächstgelegene Multiplex machen.  

Bilder: ddpImages (2), Warner (4)