Krankenversicherung wird nur selten teurer

Nur wenige gesetzliche Krankenkassen erhöhen 2018 ihre Zusatzbeiträge. Etliche senken sie sogar. Das liegt auch an der sehr zähen Regierungsbildung: Teure Gesundheitsmaßnahmen liegen jetzt nämlich erst einmal auf Eis.


Dieses Jahr erreichte die Kunden der Berliner Betriebskrankenkasse (BKK) VBU ein langes Schreiben. Viele Jahre habe man die Beiträge stabil gehalten. Außerdem hätten Versicherte Anspruch auf Zusatzleistungen, die es anderswo nicht gebe. Die Leistungen werden ausführlich aufgelistet. Erst danach folgt der wahre Grund, aus dem der Brief aufgesetzt wurde: Es wird teurer. Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigt bei der BKK VBU im kommenden Jahr um satte 0,4 Prozentpunkte, der Gesamtbeitragssatz damit auf 15,9 Prozent.

Solche Änderungen gibt es bei einigen gesetzlichen Krankenkassen. In der Vorweihnachtszeit trafen sich die meisten Krankenkassen-Verwaltungsräte und beschlossen ihre Zusatzbeiträge für 2018. Dabei sind die Spielregeln für alle grundsätzlich gleich. Der allgemeine Beitragssatz für jeden Kassenpatienten liegt bei 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Ihn bezahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte. Das macht 7,3 Prozent für jeden. Zusätzlich können die Kassen abhängig von ihrem erwarteten Finanzbedarf individuell einen Zusatzbeitrag bestimmen. Diesen zahlt allerdings nur der Arbeitnehmer.


Für die meisten gesetzlich Versicherten liefern die Beschlüsse über Zusatzbeiträge aber erfreuliche Nachrichten. Der Großteil der Krankenkassen erhöht die Abgabe nicht, einige senken den Zusatzbeitrag sogar.

Noch haben zwar nicht alle Kassen ihre Pläne vorgelegt. Ein gutes Dutzend fehlt in der Auswertung des Portals www.krankenkassen.net. Es lässt sich aber schon erkennen, dass circa drei Viertel der Kassen ihre Zusatzbeiträge unverändert lassen. 16 Kassen senken die Beiträge, nur sechs heben sie nach aktuellem Stand an.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Einerseits ist der Wettbewerb um die Versicherten und der damit verbundene Kostendruck hoch. Andererseits dürfte den Kunden zugutekommen, dass es auch mehr als ein Vierteljahr nach der Bundestagswahl noch immer keine neue Bundesregierung gibt. Erst am 7. Januar sollen die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD aufgenommen werden. Der Ausgang ist ungewiss.


Hätte es mit der Jamaika-Koalition geklappt, hätten sich womöglich mehr Kassen gezwungen gesehen, ihre Beiträge zu erhöhen. Das liegt an zusätzlichen, teuren Maßnahmen, zu deren Übernahme die Kassen womöglich verpflichtet worden wären. Beim GKV-Spitzenverband rechnete man zwischenzeitlich mit einer Netto-Mehrbelastung von bis zu 6,5 Milliarden Euro. Wahrscheinlich hätten die dafür notwendigen Beitragssteigerungen allein die Versicherten schultern müssen. Von durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte höheren Zusatzbeitragssätzen war die Rede. Das ist nun zunächst aufgeschoben.

Es gab sogar schon bei der Preisrunde im vergangenen Jahr Stimmen, die für 2018 mit deutlich steigenden Beiträgen rechneten. Damals hatte eine Sonderzahlung der alten Bundesregierung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den Gesundheitsfonds höhere Zahlungen für die Bürger verhindert. Branchenexperten sprachen von einem Wahlgeschenk.


Der für den Versicherten relevante Wert ist der Gesamtbeitrag


Von den bisher sechs Kassen, die tatsächlich höhere Beiträge angekündigt haben, liegt die BKK VBU mit ihrer Anhebung um 0,4 Prozentpunkte im Mittelfeld. Mit einem Plus von 0,6 Punkten auf nun ebenfalls 15,9 Prozent sind die Kunden der BKK Technoform von einer noch etwas stärkeren Änderung betroffen.

Aufseiten der Kassen, die die Zusatzbeiträge senken, können sich Versicherte bei der AOK Bremen/Bremerhaven und der Metzinger BKK am meisten freuen. Um stolze 0,3 Prozentpunkte sinken dort die Beiträge. Bei den anderen Kassen sind es lediglich 0,1 bis 0,2 Punkte, bei der Bertelsmann BKK nur 0,08.


Entscheidender als die Veränderungen bleibt für die Versicherten ohnehin der zu zahlende Gesamtbeitrag aus allgemeinem Beitrag und krankenkassenspezifischem Zusatzbeitrag. Durchschnittlich zahlen gesetzlich Versicherte (gewichtet nach der Zahl der unterschiedlich großen Krankenkassen) 15,68 Prozent ihres Lohns.

Beim Blick auf die Gesamtbeiträge ragt die AOK Sachsen-Anhalt seit Jahren mit günstigen 14,9 Prozent besonders heraus. Noch besser ist nur die Metzinger BKK, die als einzige Kasse nach der Beitragssenkung von 0,3 Prozentpunkten nun nur noch den allgemeinen Mindestbeitrag von 14,6 Prozent verlangt. Am teuersten mit insgesamt 16,3 Prozent sind die Securvita BKK, die Viactiv Krankenkasse und Merck BKK.

Für die Versicherten bedeutet ein auf den ersten Blick hoher Beitrag aber nicht automatisch, dass sie dringend handeln und die Krankenkasse wechseln müssen. Mit dem Wettbewerb um die Höhe der Zusatzbeiträge ist auch das Ringen um zusätzlichen Service entbrannt. Das können Zusatzleistungen wie Besuche beim Heilpraktiker sein oder Rabattleistungen bei gesundheitsförderndem Verhalten wie Sport. Man sollte also immer sowohl den Preis als auch die Leistung der Krankenkasse im Blick haben.

Wer als Kunde einer gesetzlichen Krankenkasse im kommenden Jahr einen höheren Zusatzbeitrag leisten muss, hat bis zum 31. Januar ein verkürztes Sonderkündigungsrecht. Ansonsten beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate.

KONTEXT

Zusatzbeiträge Krankenversicherer 2018

Knappschaft

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,3 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,9 Prozent

AOK Niedersachsen

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 0,8 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,4 Prozent

AOK Nordwest

Beitrag sinkt

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 0,9 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,5 Prozent

AOK Rheinland/Hamburg

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,4 ProzentGesamtbeitrag 2018: 16,0 Prozent

AOK Plus

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 0,6 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,2 Prozent

IKK Classic

Beitrag sinkt

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,2 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,8 Prozent

AOK Baden-Württemberg

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,0 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,6 Prozent

AOK Bayern

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,1 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,7 Prozent

DAK

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,5 ProzentGesamtbeitrag 2018: 16,1 Prozent

Barmer GEK

Beitrag bleibt gleich

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 1,1 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,7 Prozent

Techniker Krankenkasse

Beitrag sinkt

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des ArbeitsentgeltsZusatzbeitrag 2018: 0,9 ProzentGesamtbeitrag 2018: 15,5 Prozent

Quelle

www.krankenkassen.net

KONTEXT

Gewinner und Verlierer: Veränderung der verdienten Bruttobeiträge in 2016

Top 5

Envivas:

104 Millionen Euro Beitragseinnahmen - plus 7,5 Prozent

Top 4

R+V Versicherung:

506 Millionen Euro Beitragseinnahmen - plus 8,5 Prozent

Top 3

Concordia:

54 Millionen Euro Beitragseinnahmen - plus 8,6 Prozent

Top 2

Württembergische:

216 Millionen Euro Beitragseinnahmen - plus 9,1 Prozent

Top 1

Mecklenburgische:

18 Millionen Euro Beitragseinnahmen - Plus 9,1 Prozent

Flop 5

Gothaer:

824 Millionen Euro Beitragseinnahmen - minus 0,5 Prozent

Flop 4

Signal:

2,0 Milliarden Euro Beitragseinnahmen - minus 0,6 Prozent

Flop 3

Deutscher Ring:

651 Millionen Euro Beitragseinnahmen - minus 1,7 Prozent

Flop 2

Central:

1,9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen - minus 2,16 Prozent

Flop 1

Hansemerkur:

1,15 Milliarden Euro Beitragseinnahmen - minus 2,18 Prozent