Krankenhausgesellschaft gegen Verkürzung von Quarantänezeiten für Personal

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Intensivstation in Bochum (AFP/Ina FASSBENDER)

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hat sich gegen eine allgemeine Verkürzung der Corona-Quarantänezeiten zur Sicherung der gesundheitlichen Infrastruktur ausgesprochen. "Ein flächendeckender Einsatz von infizierten symptomlosen Mitarbeitern in der kritischen Infrastruktur ist ein zu hohes Risiko, gerade auch im Gesundheitswesen für die besonders vulnerablen Gruppen", sagte Gaß den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Freitagsausgaben).

Gaß betonte: "Es wäre den Mitarbeitern auch schwer zu vermitteln, mit viel Aufwand Infektionsschutz zu betreiben, während Kollegen infektiös am Krankenbett stehen."

Verkürzungen der Quarantäneregelung könne es nur nach sorgfältiger Prüfung geben. "Wir brauchen valide Daten über die Infektionslage und deutlich mehr Daten über Omikron, um wirklich Entscheidungen treffen zu können, ob durch ein frühzeitiges Freitesten eine Verkürzung möglich ist", sagte Gaß dem RND. "Eine Verkürzung kann auch nur dann erfolgen, wenn es sich um symptomlose Mitarbeiter in hochspezialisierten Bereichen handelt, die sonst nicht ersetzbar wären."

In den Krankenhäusern gebe es in diesen Wochen eine Anzahl an Krankmeldungen, die einer "normalen" Winter-Saison entspreche. Eine Situation mit eklatantem Personalmangel wie in London gebe es derzeit nicht, sagte Gaß dem RND.

In England werden derzeit wegen der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems durch die explodierenden Infektionszahlen zusätzliche provisorische Krankenstationen aufgebaut.

In der Bundespolitik wird derzeit eine Verkürzung der Corona-Quarantäne überlegt, um wegen des erwarteten deutlichen Anstiegs der Corona-Infektionen durch die ansteckendere Omikron-Variante Personalengpässe in Verwaltung, Gesundheitssystem und Wirtschaft zu verhindern.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante, dass sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für 14 Tage isolieren beziehungsweise in Quarantäne begeben sollen. Das schließt auch Geimpfte und Genesene ein.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält eine Verkürzung der Quarantänedauer bei symptomlosen Omikron-Infizierten allgemein hingegen für vertretbar. "Das wäre ein pragmatischer Weg, um bei sehr hohen Ansteckungszahlen dafür zu sorgen, dass die kritische Infrastruktur nicht zusammenbricht", sagte er dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe). Angesichts der erwartbaren Omikron-Welle sei ein "differenzierter Umgang mit der Situation" nötig.

"Wir werden Ansteckungen bis zu einem gewissen Grad zulassen müssen", sagte Reinhardt. Das bedeute aber selbstverständlich nicht, dass Deutschland die Strategie der Durchseuchung wählen solle. "Gefährdete Personen müssen wir weiter effizient schützen." Reinhardt wies im "Tagesspiegel" darauf hin, dass auch bei einer verkürzten Quarantänedauer Schutzvorkehrungen getroffen werden könnten - wie etwa das Tragen von FFP-2-Masken am Arbeitsplatz.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte eine Reduzierung der Quarantäne-Dauer als "Kompromiss" zwischen der Kontrolle des Infektionsgeschehens und wirtschaftlichen Überlegungen bezeichnet. "Wenn man die Quarantänezeit verkürzt, wird es eine kleine Anzahl von Fällen geben, in denen die Betroffenen erkranken und das Virus möglicherweise übertragen, weil sie früher aus der Quarantäne entlassen wurden", sagte der WHO-Notfall-Beauftragte Michael Ryan am Mittwoch.

Die WHO empfiehlt in ihren Richtlinien, symptomatisch Infizierte nach Auftreten der Symptome zehn Tage in Quarantäne zu schicken, plus mindestens drei weitere symptomfreie Tage. Bei Infizierten ohne Symptome rät die WHO zu einer Isolationsdauer von zehn Tagen nach dem positiven Test.

Bislang haben drei Staaten die Isolationsdauer für positiv auf das Coronavirus Getestete verkürzt. Am Mittwoch kündigte die spanische Regierung an, die Quarantäne für Infizierte von zehn auf sieben Tage herabzusetzen. Zuvor hatten bereits die USA die Quarantänezeit für symptomfrei Infizierte von zehn auf fünf Tage halbiert. Argentinien kündigte eine Reduzierung der Quarantäne von vollständig geimpften Infizierten von zehn auf sieben Tage an. Geimpfte, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, aber keine Symptome aufweisen, müssen sich nur noch fünf Tage lang isolieren.

fml

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