Kraftausdrücke: So viel wird in der modernen Literatur geflucht

Mit dem kulturellen Streben nach Individualität und persönlicher Entfaltung hat sich auch die Wortwahl in der Literatur verändert. (Bild: ddp Images)

Vorbei die Zeit der netten Worte und der höflichen Poesie, denn die Autoren von heute fluchen, was das Zeug hält. Dies befand zumindest eine amerikanische Studie, die literarische Werke von damals und heute auf die Häufigkeit von Schimpfwörtern prüfte. 

Die Forscher der San Diego State University analysierten fast eine Million amerikanischer Bücher per Google Books und durchsuchten sie nach Kraftausdrücken. Dabei beschränkten sie sich auf die berühmten sieben Schimpfwörter, die von dem amerikanischen Comedian, Schauspieler und Autor George Carlin im Jahre 1972 als die „seven words you can never say on television“ (dt. sieben Wörter, die du nie im Fernsehen sagen solltest) festgelegt wurden. Es handelt sich um die Wörter: shit, piss, fuck, cunt, cocksucker, motherfucker und tits.

In den fünfziger Jahren wurde das Wort „fuck“ 168 Mal weniger benutzt als in der modernen amerikanischen Literatur. (Bild: ddp Images)

Das Ergebnis zeigte, dass beispielsweise das Wort „fuck“ in Büchern, die zwischen 2005 und 2008 veröffentlicht wurden, 168 Mal häufiger vorkam als in Büchern, die Anfang der 50er Jahre publiziert wurden. Die Verwendung des Wortes „shit“ war im Vergleich 69 Mal so hoch und das allseits beliebte „motherfucker“ wurde stolze 678 Mal häufiger zu Papier gebracht.

Zwar wurde schon im Vorfeld erwartet, dass die Verwendung dieser Wörter sich im Vergleich zu den frühen 50er-Jahren vervielfacht hatte, von dem schlussendlichen Ergebnis waren die Forscher dann aber doch überrascht. Jean Twenge, Chef-Autor der Studie, schreibt den scheinbar kollektiven Drang moderner Autoren nach mehr „Ausdruck“ kulturellen Veränderungen zu: Die Zunahme der Verwendung von Schimpfwörtern fällt in die gleiche Zeit, in der unsere Kultur begann, nach immer mehr persönlicher Entfaltung und Individualität zu streben. Als die Leute immer mehr ermutigt wurden, sie selbst zu sein, nahm auch die Verwendung von Kraftwörtern zu.

Mehr Flüche als früher. Woran liegt das? (Bild: ddp Images)

Jenni Fagon, Autorin des als recht obszön geltenden Buches „The Panopticon“ sagte gegenüber “The Guardian”, dass die Erkenntnis der Studie vielleicht auch dabei helfen kann, Literatur nicht mehr als elitäre Kunstform zu verstehen, sondern Ausdruck der Wahrheit, Pluralität und Vielfalt des wahren Lebens.