KPMG setzt auf Klasse statt Masse


Im Vergleich zu den Konkurrenten PWC und Deloitte fallen die Wachstumsraten bei KMPG, der Nummer drei der deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, eher bescheiden aus. Dessen ungeachtet spricht Vorstandssprecher Klaus Becker von einem erfolgreichen Geschäftsjahr, mit dem man sehr zufrieden sei.

Becker macht das vor allem daran fest, dass die WP-und Beratungsgruppe stark in neue Dienstleistungen, Technologien und neue Mitarbeiter investierte – und damit aus seiner Sicht einiges an Vorleistungen für nachhaltiges und langfristiges Wachstum erbracht hat. Das hat sich unter anderem in einem relativ starken Personalausbau mit knapp 460 neuen Mitarbeitern sowie in einem mehr als verdoppelten Investitionsvolumen von 135 Millionen Euro niedergeschlagen. „Wir wollen nicht um jeden Preis Umsatz generieren“, lautet die Devise des KPMG-Chefs. „Entscheidend ist für uns, dass wir mittel- und langfristig gut aufgestellt sind.“ Die Profitabilität bewege sich nach dem Rekordjahr 2016 auf dem zweithöchsten Stand in der Geschichte von KPMG.

Klar ist, dass sich KMPG in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2017 mit den wichtigsten Konkurrenten in Sachen Wachstum nicht messen kann. Insgesamt steigerte die WP-Gruppe die Gesamtleistung in Deutschland um vier Prozent auf 1,66 Milliarden Euro. Der Bereich Audit (Abschlussprüfung und prüfungsnahe Leistungen) legte dabei um drei Prozent auf 627 Millionen Euro zu, die Steuerberatung um ebenfalls drei Prozent auf 437 Millionen Euro.


Im Beratungsgeschäft dagegen wuchs die Leistung insgesamt nur um ein mageres Prozent auf 575 Millionen Euro. Zwar konnte KPMG in der Strategieberatung für Unternehmen, der Sparte Consulting, nach eigenen Angaben um sechs Prozent zulegen.

Dagegen sei das Geschäft im Bereich der M & A-Beratung sowie in der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung rückläufig gewesen. Becker führt das auf eine geringere Zahl an Unternehmens-Transaktionen und den niedrigsten Stand bei Firmeninsolvenzen seit 1999 zurück. Rund 19 Millionen Euro an Leistungen für globale KPMG-Einheiten weist die WP-Gruppe aufgrund neuer Bilanzvorschriften erstmals gesondert aus.

Im Vergleich zu wichtigen Konkurrenten hat KPMG damit ausgesprochen schwach abgeschnitten. Branchenführer PWC berichtete für das letzte Geschäftsjahr eine Leistungssteigerung von insgesamt zehn Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro und erzielte dabei ein Plus von 18 Prozent in der Beratung. Der Branchenvierte Deloitte steigerte seine Leistung sogar um 34 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro und hat sich vorgenommen, bis Ende des Jahrzehnts auf die Position drei unter den „Big Four“ vorzurücken – und damit KPMG zu überholen. EY, die Nummer zwei der Branche, publiziert ihre Zahlen erst im Januar.

KPMG-Chef Becker zeigt sich von den Ambitionen der Konkurrenz indessen wenig beeindruckt. Der Rang unter den großen vier und die konkrete Umsatzhöhe ist aus seiner Sicht letztlich nicht relevant. „Entscheidend für uns ist, dass wir langfristig und nachhaltig profitabel wachsen können, eine relevante Rolle für unsere Kunden spielen und ein attraktiver Arbeitgeber sind.“ In allen drei Bereichen sieht er die WP-Gruppe auf einem guten Weg.

Zudem deutet er für das laufende Jahr eine stärkere Dynamik an, auch wenn er keine konkreten Prognosen nennt. Der Start ins neue Geschäftsjahr sei „exzellent“ verlaufen, mit deutlich zweistelligen Steigerungsraten.


Wachstumsfelder im Bereich der Digitalisierung und IT-Sicherheit

Als strategische Wachstumsfelder sieht der KPMG-Chef dabei unter anderem die Beratung im Bereich der Digitalisierung und der IT-Sicherheit. Ziel sei es, KPMG als einen führenden Digitalisierungsberater im Markt zu etablieren.

Um die Kompetenzen in diesem Bereich weiter auszubauen, will die WP-Gruppe ihr Engagement bei der Saarbrücker Kiana Systems GmbH, an der man bisher bereits beteiligt ist, weiter verstärken und das Unternehmen vollständig integrieren. Kiana ist als Ausgründung aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz entstanden und agiert als einer der führenden Anbieter in der Datenanalyse.

Anders als etliche Konkurrenten wolle man sich in diesem Segment vor allem auf die Erarbeitung von Prozessen und IT-Strukturen für die Kunden konzentrieren, und weniger auf die konkrete technische Implementierung solcher Lösungen. Das Programmieren von IT-Systemen biete zwar große Volumen, bringt aus der Sicht Beckers aber geringere Tagessätze und Erträge.

Auch den Bereich Abschlussprüfung hat KPMG als Wachstumsfeld keineswegs abgeschrieben, obwohl die Gruppe dort bereits als Marktführer agiert und damit tendenziell durch die gesetzlich vorgeschriebene Rotationspflicht bei Großunternehmen am meisten zu verlieren hat. Aktuell prüft KPMG 60 Prozent der Dax-Unternehmen und 34 Prozent der MDax-unternehmen.


Das Honorarvolumen von Firmen, die in den kommenden beiden Jahren gezwungen sind, von KPMG auf andere Prüfer zu wechseln, beläuft sich laut Becker aber auf lediglich 33 Millionen Euro, und damit etwa zwei Prozent des Advisory-Geschäfts von KPMG. „Das ist für uns verkraftbar, weil wir das erstens durch Beratungsaufträge auffangen können und wir zweitens entschlossen und selbstbewusst in anstehende Ausschreibungen gehen.“

Neue Prüfungsmandate konnte die WP-Gruppe in diesem Zuge unter anderem bei der Douglas-Gruppe, sowie bei Leifheit, Scout24 und SGL Carbon gewinnen.

Becker geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Gruppe auch im Bereich Audit weiter wachsen kann, nicht zuletzt, indem man Qualität und Effizienz der Abschlussprüfung verbessert und sie zugleich durch Zusatzleistungen anreichert.
Ein wichtiges Element etwa sieht der KPMG-Chef darin, aus intensiverer Datenanalyse im Rahmen der Prüfung neue Ansatzpunkte für die Verbesserung von Geschäftsprozessen abzuleiten.

Auch Zukäufe sollen zur Wachstumsstrategie von KPMG gehören, auch wenn sich die Gruppe in dieser Hinsicht zuletzt komplett zurückgehalten hat. Man schaue sich den Markt weiterhin systematisch an, insbesondere mit Blick auf Technologie, so Becker.
Aber man wolle dabei nicht um jeden Preis Umsatz zukaufen, sondern im wesentlichen bestehende Stärken weiter ergänzen. Entscheidend sei dabei, dass man durch die Kombination neue Geschäfte erschließen kann. Und als weitere Voraussetzung definiert der KPMG-Chef für potenzielle Zukäufe folgende Anforderungen: „Das Unternehmen muss integrationsfähig sein, die Kultur muss zu uns passen, und die Leistungsträger müssen dabei bleiben.“