Wie Kovac Rakitic zum Welterfolg verhalf

Marcel Bohnensteffen, Conan Furlong
Ivan Rakitic greift mit Kroatien nach dem WM-Titel

Diese märchenhafte Erfolgsgeschichte der Kroaten bei dieser Fußball-WM, sie ist auch ein Verdienst von Ivan Rakitic.

Der Barca-Star ist neben Kapitän Luka Modric der zweite große Strippenzieher im Mittelfeld.

Während Modric Regie führt, Angriffe initiiert, spielt Rakitic den Dauerläufer. Stopft Löcher, fängt Pässe des Gegners ab, leistet die Knochenarbeit, die er seit Jahren auch in Barcelona verrichtet. 

"Ich renne für Messi", hat dieser Ivan Rakitic einmal gesagt, "weil er es verdient". Die Selbstlosigkeit in Person. 

Mit diesen Eigenschaften wurde er bei Barca zum Star und hochgeschätzten Mitspieler. 

Kovac fand neue Position für Rakitic

Dieses Urteil bestand nicht immer über Rakitic. Felix Magath ließ ihn einst auf Schalke ziehen, weil er den Kroaten als Spielgestalter, als Zehner, für untauglich befand.

Rakitic' großes Glück war, dass er auf einen Trainer traf, der seine wahren Fähigkeiten erkannte. Es war Niko Kovac, der heutige Bayern-Trainer. 

Der übernahm 2013 die kroatische Nationalmannschaft und stellte Rakitic auf eine neue Position.


In einer Kolumne für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt Kovac jetzt über die damalige Zeit: "In der Aus­wahl der Spie­ler hat­te ich ein paar gu­te Ide­en, die sich noch aus­wir­ken. Ich ha­be Recht be­hal­ten (...), dass Ra­ki­tic kein Zeh­ner ist, son­dern ein Sech­ser oder Ach­ter."

Die Entscheidung brachte Kovac damals viel Kritik im eigenen Land ein und war einer der Gründe, weshalb er bereits 2015 wieder abgesetzt wurde als Verbandscoach.

Nur hatte er eben eine Entwicklung in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten war. Rakitic blühte als Abräumer auf, erst in Sevilla, später bei Barca. Und mit seinem Aufstieg wuchs auch die Stärke des Nationalteams. 

Kroatien kann die Früchte von Kovac' Arbeit ernten

Sein Nach-Nachfolger Zlatko Dalic ist jetzt der Mann, der die Früchte von Kovac' Aufbauarbeit ernten kann.

Kovac berichtet in seinem Beitrag von einem Telefonat der beiden nach dem Halbfinal-Coup gegen England. Seine Botschaft an Dalic: "Be­en­de mit dem letz­ten Spiel der WM in Russ­land, was ich mit dem Er­öff­nungs­spiel der WM 2014 be­gon­nen ha­be."

Wobei sich Kovac nicht mit dem Erfolg anderer schmücken mag. "Mein An­teil ist mar­gi­nal", schreibt er. "Ich hat­te da­mals zu vie­le äl­te­re Pro­fis da­bei, weil ich sie aus mei­ner Zeit als Spie­ler kann­te und ih­nen ver­trau­te. Aber äl­te­re Spie­ler (...) ha­ben auch den An­spruch zu spie­len. Und wenn sie dann nicht spie­len, ent­wi­ckelt sich ei­ne ne­ga­ti­ve Stim­mung."

Dalic nominierte für das Turnier in Russland wesentlich jüngeres Personal - und steht jetzt vor einem historischen Triumph.


Der Erfolg der Kroaten kommt für Kovac nicht überraschend: "Wir ha­ben vie­le Welt­klas­se­sport­ler im Fuß­ball, Hand­ball, Bas­ket­ball, Was­ser­ball, Ten­nis, Ski al­pin, Tisch­ten­nis."

Kovac beklagt Strukturen in Deutschland

Den Grund dafür sieht er an der Basis. Anders als in Deutschland, schreibt Kovac, "wird Schul­sport in Kroa­ti­en noch groß­ge­schrie­ben. Es sind nicht die mo­derns­ten An­la­gen, die zur Ver­fü­gung ste­hen, aber über­all hän­gen Bas­ket­ball­kör­be, auf den Schul­hö­fen sind Fuß­ball-Klein­fel­der mar­kiert oder Hand­ball­fel­der. Und die Mög­lich­kei­ten wer­den ge­nutzt."

Der Werdegang von Weltstars wird nicht selten schon im Kindesalter bestimmt. Auch wenn Ivan Rakitic ein paar Umwege in Kauf nehmen musste. 

In dieser Hinsicht beklagt Kovac in Deutschland fehlerhafte Strukturen. Mit der Folge, dass hierzulande immer weniger Ausnahmekönner spielten, es fehlten "große Individualisten, die enge Spielsituationen überraschend lösen können".

Kovac prangert an, dass Spielern hierzulande der Spaß, "einen Gegner zu veräppeln oder für die Galerie zu spielen" ab-erzogen werde.