Kostjantyniwka, Donbas: Zwei unversöhnliche Lager leben dicht beieinander

Kostjantyniwka ist eine typische Stadt im Donbas - mit seiner Hüttenindustrie, die während der Sowjetunion für Wohlstand sorgte. Vor Beginn des Krieges lebten hier 70.000 Menschen. Diejenigen, die geblieben sind, stehen der russischen Invasion sehr unterschiedlich gegenüber.

In einem Viertel gibt es seit über einem Monat kein fließend Wasser mehr, ein Anwohner stellt seinen Brunnen zur Verfügung. Auch Sergej holt hier sein Wasser - der Mechaniker hat nichts gegen den russischen Vormarsch. "Die ukrainische Regierung hat uns seit der Unabhängigkeit vor 30 Jahren vergessen", sagt er. "Sie hat alle Fabriken zerstört. Wir hatten 20, jetzt sind nur noch fünf oder sechs übrig." Eine Frau aus dem Viertel sagt: "In der Sowjetunion ging es uns gut, unsere Eltern hatten Arbeit, wir hatten keine Probleme."

Diejenigen, die russisch sein wollen, sollen ihre Sachen packen, einen Zug nach Russland nehmen und dort leben.

Andere verstehen nicht, wie manche angesichts russischer Bomben auf Schulen denken können, dass Moskaus Truppen Frieden bringen. "Diejenigen, die russisch sein wollen, sollen ihre Sachen packen, einen Zug nach Russland nehmen und dort leben", so ein ehemaliger Bergarbeiter, der dabei hilft, Bombentrümmer zu beseitigen. "Das hier ist die Ukraine. Das ist mein Land."

Auch wenn beide Seiten unversöhnlich scheinen, zumindest in der örtlichen Kirche kommen sie einmal in der Woche zusammen. Für den Priester Witalii Kester zeigt sich im unterschiedlichen Denken der Gegensatz zweier Systeme: Die Sowjetunion war auf Angst und Lügen gebaut, so der Geistliche. Diejenigen, die in diesem System aufwuchsen, erwarteten, dass man sich um sie kümmere und dächten nur an die Gegenwart. Die Ukrainer, die pro-europäisch sind, denken seiner Meinung nach an die Zukunft, daran, welches Land, sie ihren Kinder hinterlassen wollen. Sie erwarteten nicht, dass man für sie entscheide, das sei der wichtige Unterschied.

Wenn Vater Witalii seine grüne Kutte anlegt, um für sein Land zu kämpfen, besteht zumindest kein Zweifel daran, auf welcher Seite er steht.

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