Kosovos Ex-Präsident plädiert vor Sondertribunal in Den Haag auf nicht schuldig

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Hashim Thaci in Den Haag
Hashim Thaci in Den Haag

Bei seiner ersten Anhörung vor dem Haager Sondertribunal zur Ahndung von Kriegsverbrechen hat der kosovarische Ex-Präsident Hashim Thaci auf "nicht schuldig" plädiert. Die Anklage gegen ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entbehre "jeglicher Grundlage", sagte Thaci am Montag vor dem zuständigen Richter. Dem Ex-Präsidenten und drei Mitangeklagten werden fast hundert Morde sowie Verschleppung, Verfolgung und Folter vorgeworfen.

Thaci saß im grauen Anzug und roter Krawatte vor der Anklagebank, während ein Richter die Anklagepunkte gegen ihn verlas. Die Rede war darin unter anderem von einem "systematischen Angriff auf die Zivilbevölkerung" unter Thacis Verantwortung während des Kosovo-Kriegs (1998-1999). Er habe die Anklagepunkte "verstanden, gehört und gelesen", sagte Thaci. "Und ich stimme keinem von ihnen zu."

Thacis Anwalt David Hooper kritisierte die Behandlung seines Mandanten. Es sei "entwürdigend", dass dieser außerhalb des Gerichts Handschellen habe tragen müssen. Er kündigte an, eine bedingte Freilassung Thacis erwirken zu wollen. 

Thaci war früher Kommandeur der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK). Die Staatsanwaltschaft am Sondertribunal zur Ahndung von Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg hatte bereits im Juni Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen den 52-Jährigen erhoben. Nach der Bestätigung der Anklage durch das Gericht am vergangenen Donnerstag war Thaci als Staatsoberhaupt des Kosovo zurückgetreten. Er kam in Den Haag in Untersuchungshaft.

Auf nicht schuldig plädierte am Montag auch der mitangeklagte frühere UCK-Sprecher Jakub Krasniqi. "Es ist nicht richtig, dass ich hier bin", sagte der 69-Jährige, der am vergangenen Mittwoch in Pristina festgenommen worden war. "Niemals in meinem Leben" habe er Menschen so behandelt wie in der Anklageschrift dargestellt. "Es war Krieg und wir haben gegen die Serben gekämpft, die einen Genozid im Kosovo begangen haben", fügte er hinzu. 

Neben Thaci und Krasniqi stehen in Den Haag auch Thacis engster politischer Verbündeter, Kadri Veseli, und der frühere UCK-Vertreter Rexhep Selimi, vor Gericht. 

Das 2015 eingerichtete Sondertribunal befasst sich speziell mit Verbrechen, die während des Kosovo-Krieges von 1998 bis 1999 begangen worden sein sollen. Das Gericht hatte im Januar 2019 mit seinen Befragungen begonnen. 

Während des Kosovo-Krieges waren mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Im Jahr 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien. Die Regierung in Belgrad betrachtet es jedoch nach wie vor als serbische Provinz.

isd/jes