Korruptionsvorwürfe: Wie bestechlich sind Influencer wirklich?

Viele Fotos von Influencern sehen zwar wie Schnappschüsse aus, sind in Wirklichkeit aber Schleichwerbung. (Symbolbild: Getty Images)

Auf der Berlin Fashion Week machten viele Unternehmen ihre Prioritäten deutlich: Während Journalisten vielerorts um ihre Daseinsberechtigung kämpfen mussten, wurden angesagte Blogger hofiert. Der aktuelle Korruptionsskandal einer Influencerin zeigt, wohin dieser Trend führen kann.

Für viele Modejournalisten war die Berlin Fashion Week (15. bis 19.01. – Yahoo Style war live dabei) ein einziger Kampf. Auf vielen Shows wurden sie (wenn überhaupt) in die letzten Reihen oder auf Stehplätze verbannt – auf den besten Plätzen durften sich fast ausnahmslos Influencer niederlassen. Die vielen Rahmenprogramme, auf denen üblicherweise neue Beauty-Trends vorgestellt werden, sollten zwar vom Fachpublikum besucht werden, Pressematerial stand den Journalisten aber oftmals nicht zur Verfügung. Die Produktproben gingen nämlich ebenfalls an die hippen Blogger.

Eine Entwicklung, die am Ende vor allem den Verbrauchern schaden könnte. Die Aufgabe der Journalisten besteht darin, (Mode- und Beauty-)Trends neutral zu bewerten, Produkte zu testen und ihren Lesern einen Mehrwert zu verschaffen. Das bedeutet nicht, dass sie deshalb alles schlechtreden sollen oder müssen, aber es bedeutet eben auch nicht, dass sie durchweg positiv über ein Event oder ein Produkt berichten, nur weil ihnen der Zugang ermöglicht oder ein Produkt zum Test zur Verfügung gestellt wurde.

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Für die Unternehmen liegt der Vorteil, Influencer zu hofieren, auf der Hand: Sie müssen keine kritische Berichterstattung fürchten. Wie selbstverständlich der oftmals unausgesprochene und für Follower nicht immer offensichtliche Deal tatsächlich ist, zeigte nun ausgerechnet eine YouTuberin auf: Die 22-jährige Engländerin Elle Darby wollte ein paar Nächte im irischen Hotel White Moose Café verbringen – gratis natürlich.

Die Engländerin Elle Darby hat auf YouTube und Instagram jeweils knapp 100.000 Abonnenten. (Bild: Screenshot / Elle Darby)

Sie „arbeite als Social-Media-Influencer, vor allem in den Bereichen Lifestyle, Beauty und Reisen“ und plane zusammen mit ihrem Partner „ein frühes Valentinstagwochenende vom 8. bis zum 12. Februar”, das sie in Dublin verbringen wolle. Aus ihrem Anliegen macht Darby in ihrer E-Mail an den Geschäftsführer keinen Hehl: Sollte ihr eine kostenlose Übernachtung samt Verköstigung ermöglicht werden, würde sie das Hotel in ihren YouTube-Videos und auf Instagram bewerben.

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Beim Geschäftsführer Paul Stenson kam diese Anfrage gar nicht gut an. Er postete einen Screenshot von Darbys E-Mail auf Facebook und kommentierte sie mit den Worten: „Es braucht eine Menge Eier, aber wenig Selbstachtung und Würde, so eine E-Mail zu versenden.“ Damit könnte die peinliche Geschichte zu Ende sein, doch es wird noch schlimmer. In einem YouTube-Video wundert sich die Influencerin nämlich, warum der Geschäftsführer sich nicht auf diesen Deal einlassen will, „da solche Geschäfte völlig normal sind.“

Zahlreiche Blogger verdienen mittlerweile viel Geld mit ihren Empfehlungen. Mit steigender Follower-Zahl sollte aber auch eine wachsende Verantwortung einhergehen. Das machte auch ein wegweisendes Urteil des Oberlandesgerichts Celle deutlich, das die Drogeriekette Rossmann wegen Schleichwerbung durch einen Influencer verurteilt hatte.

Werbung muss ausreichend kenntlich gemacht werden

In der Begründung heißt es: „Wer in seinem Instagram-Auftritt Modeartikel und Kosmetika präsentiert, hierbei ‚sprechende‘ Links unmittelbar zu Internetauftritten der betreffenden Unternehmen setzt und dafür nach Lage der Dinge Entgelte oder sonstige Vorteile, wie z.B. Rabatte oder Zugaben erhält (wie etwa auch die kostenlose Überlassung der präsentierten Produkte), kann lauterkeitsrechtlich dazu verpflichtet sein, den kommerziellen Zweck in dem Auftritt ausreichend kenntlich zu machen (Anschluss OLG Celle WRP 2017, 1236).“

Das Problem: Selten werden Anfragen wie die der Influencerin Elle Darby öffentlich, da die Unternehmen ja von diesen Deals profitieren. Reaktionen wie die des Geschäftsführers Paul Stenson sind da die Ausnahme: Er wird in Zukunft keine Blogger mehr in seinem Hotel aufnehmen.

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