Koray Aldemir: „Da war schon Druck!“

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Koray Aldemir: „Da war schon Druck!“
Koray Aldemir: „Da war schon Druck!“

Selten hat ein Spieler das berühmte Main Event der World Series of Poker so dominiert wie Koray Aldemir. Der deutsche Pokerprofi setzte sich gegen 6.649 Spieler durch, war über Tage der überragende Chipleader, um am Ende $8 Mio. Preisgeld einzustreichen. Plus natürlich das berühmte Armband für den Champion, das mit Diamanten verzierte Bracelet. Im Interview mit SPORT1-Pokerexperte Michael Körner verrät uns Aldemir wie er die Zeit seitdem verbracht hat und wie sich das Spiel gegen ihn verändern könnte.


SPORT1: Rückblickend auf das Main Event, würdest Du sagen, Du hast einfach viel Glück gehabt oder extrem gut gespielt?

Koray Aldemir: Eine Mischung aus beiden Dingen. Im ersten Moment ist unheimlich viel Druck von mir abgefallen. Das finde ich im Nachhinein interessant. Ich habe schon Druck verspürt, weil ich ja von Tag 5 an Chipleader war, dazu der erfahrenste Spieler und so was wie der Favorit. Ich hab es versucht auszublenden. Mir war bewusst, dass ich sehr viel Glück gehabt habe. Das gehört dazu. Aber ich bin auch sehr stolz, es geschafft zu haben.

SPORT1: Wie hat sich Dein Leben seitdem verändert?

Aldemir: Vielleicht gar nicht mal so viel wie man es sich vielleicht vorstellt. Ich habe aber auch noch nicht den perfekten Vergleich, da ich vorher ja auch nicht die klassische Routine hatte wie man sie vielleicht von anderen Berufen kennt. Nach dem Main Event war ich auf einer zweimonatigen Südamerika-Reise, die schon vorher geplant war und die nichts mit Poker zu tun hatte. Es gab viele Medienanfragen und Gratulationen, aber auch viel Alltag.

SPORT1: In der Turnierdatenbank „Hendonmob“ ist für 2022 noch kein Eintrag von Dir verzeichnet. Du hast also noch gar nicht gespielt?

Aldemir: Nur ein paar Turniere bei der EPT Prag, aber ansonsten habe ich tatsächlich noch so gut wie gar kein Poker gespielt.

SPORT1: Glaubst Du, dass Du ab sofort mit einer Art Zielscheibe auf dem Rücken am Tisch sitzt und die Gegner anders gegen Dich spielen werden? Vielleicht mehr bluffen, weil sie stolz darauf sein werden, den Weltmeister geblufft zu haben?

Aldemir: Das Gefühl hatte ich auf jeden Fall beim ersten Turnier nach dem Main Event. Ich war noch kurz in Florida beim Seminole Hardrock Poker, da habe ich das Main Event gespielt und da war es absolut so. Die waren ganz aufgeregt gegen mich zu spielen. Der Typ, der mich rausgeworfen hatte, wollte ein Foto mit mir machen. Das waren dann schon neue Eindrücke für mich. Bin auch sehr gespannt wie sich das entwickelt. In Prag beim Main Event hatte ich schon das Gefühl, dass die Menschen mich viel bluffen.

SPORT1: Bist Du jetzt richtig heiß darauf, noch weitere Bracelets der WSOP zu gewinnen?

Aldemir: Wenn ich ehrlich bin, nicht unbedingt. Es war schon ein wenig das Ziel, ein Bracelet zu gewinnen. Das habe ich jetzt erreicht, jetzt ein Zweites zu gewinnen wäre super. Aber das eine Bracelet gewonnen zu haben, ist ein größeres Ding.

SPORT1: Würdest Deinen WSOP-Turnierplan so einteilen, um die maximale Anzahl an Turnieren zu spielen?

Aldemir: Das Witzige ist, dass ich früher keine Mixed Games gespielt habe. Aber bei der letzten WSOP, also als ich das Main Event gewonnen habe, da habe ich Mixed Games gespielt. Da habe ich so viele Turniere gespielt wie nie zuvor. Und ich hab mir auch für diesen Sommer vorgenommen, mehr Mixed Games zu spielen. Aber ich bin noch unsicher, da ich mich nicht vorbereitet habe und daher auch nicht wirklich besser geworden bin. Mal schauen. Es wird sicherlich keine riesige Braceletjagd.

SPORT1: Kurz nach Deinem Triumph hast Du noch in der legendären Pokershow „High Stakes Poker“ mitgespielt. Was sind da für Eindrücke geblieben?

Aldemir: Ich habe nur kurz gespielt. Es war sehr spontan, man hat mich erst zwei Stunden vorher gefragt. Ich habe natürlich Ja gesagt. Da mitzuspielen war schon irgendwie, naja, ich will nicht sagen ein Traum, aber da habe ich schon früher immer zugeschaut. Und wenn man die sieben größten Namen im Poker aufzählen müsste und dann sitzen da plötzlich fünf davon... Es war schon ein Erlebnis, aber jeder andere Zeitpunkt wäre besser gewesen. Wenn ich zum Beispiel etwas ausgeschlafener gewesen wäre. So hoch Cash Game gespielt habe ich vorher noch nie.

SPORT1: Wie war der Kontakt zu den anderen Spielern?

Aldemir: Mit Negreanu hatte ich früher schon Kontakt, der spielt ja in Vegas viele Turniere. Ivey und Dwan kannte ich von Triton Pokerturnieren. Aber es ist schon was Besonderes, vor allem Ivey, der diese Ausstrahlung hat. Neben mir saß Doyle Brunson, das war schon was Spezielles, eines der Pokergesichter, die ich schon seit 10, 15 Jahren kenne. Wir haben uns auch etwas unterhalten. Er hat mir gratuliert zum Main Event Gewinn.

SPORT1: Wie hast Du die zwei Corona-Jahre erlebt? Live Pokerturniere gab es ja nicht.

Aldemir: Vor Corona bin ich ständig rumgereist. 2017 zum Beispiel nur von Turnier zu Turnier gezogen. Das war natürlich nicht möglich. Aber Online war sehr viel los. Es gab Rekordzahlen in den Turnieren. Da habe ich auch viel gespielt, ja. Deswegen hat es uns Pokerspieler nicht so sehr getroffen wie andere Menschen.

SPORT1: Viele erfolgreiche Pokerspieler arbeiten miteinander, reisen zusammen. Wie bist Du da organisiert? Bist Du Teil einer Gruppe?

Aldemir: Vor allem in den ersten Jahren war ich das. Wir hatten Skype-Gruppen wo wir Hände ausgetauscht und besprochen haben. Fedor Holz war dabei, Rainer Kempe und andere. Wir haben aber nicht nur über Poker gesprochen, sondern waren auch so befreundet. Und wenn Pokerturniere anstanden, sind wir oft gemeinsam gereist. Jetzt hat es sich ein wenig geändert, viele von früher spielen nicht mehr so viel. Aber in Vegas hatten wir wieder ein Haus zu fünf Personen. Ich wohne auch in Wien mit zwei Pokerfreunden zusammen, die kommen jetzt mit nach Las Vegas.



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