Kopfschmerzen ohne Tabletten loswerden: Zu diesen Hausmitteln raten Ärzte

·Lesedauer: 6 Min.

Viele Menschen greifen zu rezeptfreien Schmerzmitteln, um Kopfschmerzen loszuwerden. Aber es ist auch möglich, Kopfschmerzen ohne Medikamente zu lindern. 

Entspannungstechniken, Akupressur oder warme Kompressen sind zum Beispiel Hausmittel, die euch Linderung bringen können. Hier erfahrt ihr, was ihr über Kopfschmerzen wissen solltet und wie ihr die Symptome ohne Tabletten behandeln könnt.

Was sind Kopfschmerzen?

Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen mit unterschiedlichen Ursachen.

  • Spannungskopfschmerzen äußern sich oft als dumpfer Schmerz und Spannungsgefühl in der Stirngegend und werden häufig durch Stress verursacht.

  • Migränekopfschmerzen sind meist ein starker, pulsierender Schmerz in einem Teil des Kopfes. Sie können durch Stress oder starke Reize in der Umgebung, wie helles Licht und intensive Gerüche, ausgelöst werden.

  • Clusterkopfschmerzen äußern sich häufig als starke Schmerzen hinter dem Auge und ähneln denen der Migräne.

  • Nasennebenhöhlenkopfschmerzen fühlen sich oft an wie ein Druck auf der Stirn, den Wangen und den Augen. Dies ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Nase oder die Nebenhöhlen verstopft sind, und kann ein Anzeichen für eine Nebenhöhleninfektion sein.

Je nach Art der Schmerzen funktionieren verschiedene Hausmittel unterschiedlich gut. Im Folgenden findet ihr einige einfache Strategien, die ihr zu Hause ausprobieren könnt, um die verschiedenen Arten von Kopfschmerzen zu lindern.

1. Verwendet heiße oder kalte Kompressen

Bei ausstrahlenden Kopfschmerzen – die also in einem Bereich beginnen und sich auf einen anderen ausbreiten, wie bei Migräne – können kalte Kompressen auf die Stelle gelegt werden, von der der Schmerz ausgeht, sagt Michael Devine, Arzt für innere Medizin und Geriater bei Devine Concierge Medicine, einer Hausarztpraxis in Philadelphia.

Kälte hat eine betäubende Wirkung und kann den Schmerz dämpfen. Außerdem verengen sie die Blutgefäße, was zur Linderung der Migräne beitragen kann. Ihr könnt kalte Kompressen ganz einfach selbst herstellen, indem ihr ein feuchtes Tuch für etwa zehn Minuten in den Gefrierschrank legt. Alternativ ist auch ein Eisbeutel geeignet.

Bei Spannungskopfschmerzen dagegen ist Wärme besser, sagt Devine. Denn sie werden oft durch Stress verursacht und lassen sich durch die Entspannung steifer Nacken- und Schultermuskeln lindern. Dafür könnt ihr beispielsweise Wärmepackungen oder ein heißes Handtuch über die Nacken- und Schultermuskeln legen.

2. Versucht es mit Akupressur

Bei der Akupressur wird ein bis zwei Minuten lang fester Druck auf bestimmte Körperteile ausgeübt. Vor allem im Nacken oder an der Schädelbasis kann das helfen, die Verspannungen in den stabilisierenden Muskeln im Nacken zu lösen, die bei Spannungskopfschmerzen häufig betroffen sind, so Devine. Ihr könnt das selbst zu Hause machen und beispielsweise die folgenden Schritte des Memorial Sloan Kettering Cancer Center befolgen:

  1. Sucht an eurer linken Hand den Raum zwischen Daumen- und Zeigefingeransatz. Dieser Raum ist als Druckpunkt LI-4 oder Hegu bekannt.

  2. Drückt mit eurem rechten Daumen und Zeigefinger auf diesen Punkt. Bewegt euren Daumen langsam im Kreis, während ihr Druck ausübt. Ihr solltet durchaus fest drücken – achtet aber darauf, euch nicht wehzutun oder euch zu verletzen.

  3. Sucht die gleiche Stelle an der rechten Hand und wiederholt diesen Vorgang mit dem linken Daumen und Zeigefinger für weitere fünf Minuten.

3. Auch Entspannungstechniken können helfen

Entspannungstechniken – wie Yoga, Meditation oder Atemübungen – können bei bestimmten Kopfschmerzen, insbesondere bei Clusterkopfschmerzen, ebenfalls hilfreich sein.

Clusterkopfschmerzen, die sich oft durch starke Schmerzen hinter dem Auge bemerkbar machen, lassen sich laut Devine oft durch tiefe Atemübungen lindern. Ihr könnt zum Beispiel die sogenannte rhythmische Atmung ausprobieren, indem ihr eure Atmung verlangsamt und beim Ein- und Ausatmen jeweils langsam bis fünf zählt.

Darüber hinaus können Yoga und Meditation bei Spannungskopfschmerzen und Migräne helfen. Wie schon erwähnt, werden diese beiden Arten von Kopfschmerzen oft durch Stress ausgelöst – und die Entspannung bei Yoga und Meditation kann genau diesen abbauen.

4. Verbessert eure Ernährung

Lebensmittel, die Phenylalanin und Tyramin enthalten, können bei manchen Menschen häufigere Migräneattacken auslösen. Phenylalanin ist eine Aminosäure, die häufig in der Nahrung vorkommt, beispielsweise in künstlichen Süßstoffen oder MSG und nitrathaltigen Lebensmitteln wie Wurstwaren und Hot Dogs.

Tyramin ist eine Verbindung, die durch den Abbau von Aminosäuren entsteht und häufig in der Nahrung vorkommt. Insbesondere geräucherte und fermentierte Lebensmittel, alkoholische Getränke und kräftige, gereifte Käsesorten wie Parmesan oder Blauschimmelkäse sind tyraminhaltig.

Außerdem empfiehlt Devine, drei bis vier kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, um Kopfschmerzen vorzubeugen – statt ein bis zwei große Mahlzeiten. Lebensmittel, die reich an Proteinen und Ballaststoffen sind, wie Mandeln und Kirschen, können ebenfalls helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen.

5. Ausreichend Wasser trinken

Mehr Wasser und weniger entwässernde Getränke wie Alkohol oder Kaffee zu trinken, kann ebenfalls helfen, Kopfschmerzen zu vermeiden. Devine empfiehlt, alle zwei bis drei Stunden zwischen 250 und 450 Milliliter Wasser zu trinken, wenn ihr Kopfschmerzen habt. Migräne-Kopfschmerzen würden darauf gut ansprechen.

Außerdem könnte Koffein Kopfschmerzen verursachen – vor allem, wenn ihr es früher regelmäßig zu euch genommen, dann aber beispielsweise mit dem Kaffeetrinken aufgehört habt. Bei Koffein ist es aber schwierig, allgemeingültige Ratschläge zu geben – denn bei bestimmten Kopfschmerzen wie Migräne kann es sogar helfen. Wenn ihr aber zu viel davon trinkt, kann es dehydrierend wirken – was dann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen kann.

Auch Alkohol kann ein Migräneauslöser sein, vor allem, wenn ihr gerade unter Stress oder Angst leidet, so die American Migraine Foundation. Alkoholische Getränke können euch außerdem dehydrieren – und am nächsten Tag zu Kopfschmerzen führen.

6. Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel

Es gibt viele Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Heilmittel, die Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, lindern oder verhindern können. Devine sagt, dass diese natürlichen Heilmittel beispielsweise die Durchblutung verbessern, entzündungshemmend wirken, das Gewebe mit mehr Sauerstoff versorgen, die Muskeln entspannen oder direkt Schmerzen lindern können. Er empfiehlt zum Beispiel Magnesium, Riboflavin, Coenzym Q10, Kamille oder Mutterkraut.

Wann ihr einen Arzt aufsuchen solltet

Um häufigen Spannungskopfschmerzen oder Migräne vorzubeugen empfiehlt Devine, sechs bis acht Stunden pro Nacht zu schlafen, mindestens 1,8 Liter Wasser pro Tag zu trinken, drei- bis fünfmal die Woche mindestens 20 Minuten lang Sport zu treiben und euch gesund und ausgewogen zu ernähren. 

Trotzdem gilt: Wenn ihr unter häufig wiederkehrenden Kopfschmerzen leidet, solltet ihr euren Arzt aufsuchen und gemeinsam mit ihm versuchen die Ursache zu ermitteln und eine Behandlung abzustimmen. Migräne und Spannungskopfschmerzen zum Beispiel werden oft durch Schlafmangel, Stress, schlechte Durchblutung, Überanstrengung der Augen, Allergien und falsche Ernährung verursacht. Es kann aber natürlich auch andere Ursachen geben. 

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

VIDEO: Dieses Gerät kann Kopfschmerzen wegzappen

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