"Kopfballungeheuer" Thiago bringt Bayern auf Halbfinal-Kurs

Thiago brachte die Bayern in Sevilla per Kopf auf die Siegerstraße

Der FC Bayern München hat seinen Spanien-Fluch mit Glück und Geschick besiegt und dank "Kopfballungeheuer" Thiago beste Chancen auf den Einzug ins Halbfinale der Champions League.

Die Münchner kämpften sich nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie in Spanien zu einem knappen 2:1 (1:1) beim FC Sevilla und können damit zuversichtlich auf das Viertelfinal-Rückspiel am 11. April im eigenen Stadion (20.45 Uhr im LIVETICKER) blicken.

Pablo Sarabia (32.) gelang Sevillas Führungstreffer gegen zeitweise fahrige Bayern, bei denen Arturo Vidal (36.) schon im ersten Abschnitt wegen Knieproblemen raus musste. Für den Chilenen kam James, der prompt den Ausgleich einleitete. Franck Riberys Hereingabe nach Pass des Kolumbianers lenkte Sevillas Jesus Navas ins eigene Tor (37.). (LIVETICKER zum Nachlesen)

Ribery: "Wir waren schlecht organisiert"

Dem 1,72 Meter großen Thiago (68.) gelang per Kopf mit Unterstützung von Sevillas Kapitän Sergio Escudero das 2:1. Jupp Heynckes feierte so als erster Trainer seinen zwölften Sieg hintereinander in der Königsklasse. (DATEN: Alle Ergebnisse im Überblick)


"Es war wichtig, in Sevilla zu gewinnen. Wir haben gut angefangen, danach waren wir schlecht organisiert und haben nicht gut nach vorne gespielt. Die zweite Halbzeit war viel besser, aber wir dürfen nicht denken, dass wir schon im Halbfinale sind", sagte Ribery, der an beiden Bayern-Toren beteiligt war, bei Sky. (Die Stimmen zum Spiel)

Hitzige Atmosphäre bereitet Bayern Probleme

Dem Rekordmeister, der in den letzten vier Königsklassen-Spielzeiten immer an spanischen Teams gescheitert war, fehlte lange die Dominanz. Die Heynckes-Elf ließ sich von der hitzigen Atmosphäre im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan mehr als erwartet beeindrucken.


Besonders Juan Bernat, der auf der linken Seite für den angeschlagenen David Alaba spielte, stand neben sich. Nicht nur beim ersten Gegentreffer war der Spanier indisponiert und wurde zur Pause durch Rafinha ersetzt. Laut Heynckes war die Auswechslung verletzungsbedingt, Bernat zog sich demnach eine tiefe Fleischwunde oberhalb des Knöchels zu.

Es fehlten nach einer ordentlichen Anfangsphase häufig die Ballsicherheit, Kreativität und das Tempo, um die hoch motivierten Andalusier zu beherrschen. Erst nach dem Wechsel wurden die Aktionen klarer und souveräner.


Heynckes findet "deutliche Worte"

"In der Pause habe ich deutliche Worte gebraucht", sagte Heynckes im ZDF. "Sevilla hat in der ersten Halbzeit gezeigt, dass sie nicht umsonst im Viertelfinale der Champions League stehen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann aber das Spiel klar bestimmt und verdient gewonnen."

Die Aufstellung der Bayern hatte überrascht. Heynckes ließ den beim 6:0 gegen Dortmund herausragenden James zunächst auf der Bank und brachte stattdessen Thiago in seinem Heimatland von Beginn an. Vidal rückte für Arjen Robben in die Startelf - eine etwas defensivere Variante, damit war allerdings zu rechnen.


Der Verzicht auf Alaba war notgedrungen. Ein gereizter Nerv in der Rückenmuskulatur ließ den Einsatz des Österreichers nicht zu. Bernat bekam daher eine Bewährungschance, die er aber nicht nutzte.

Ribery sieht früh Gelb

Trotz der leidenschaftlichen Stimmung begann die Elf von Spanienkenner Heynckes ballsicher, war präsent im Zweikampf und auch gedanklich auf der Höhe. In der Folge ging die Linie aber verloren, weil etwa Ribery teilweise überreagierte, früh Gelb sah und die Aktionen zu hektisch wurden.


Sarabia (20.) vergab nach Hereingabe des linken Flügelspielers Joaquin Correa die erste Großchance des Spiels kläglich. Heynckes gestikulierte auffällig oft in dieser Phase, schien unzufrieden. Doch es wurde nicht besser - im Gegenteil. Bernat schlief, und Sarabia bedankte sich.

Martinez' Grätsche verhindert Schlimmeres

Auch nach dem Wechsel blieben Fehler nicht aus. Javi Martinez (48.) verhinderte mit einer mutigen Grätsche ein weiteres Gegentor.

Die Bayern erkämpften sich dann aber doch Vorteile, auch weil Rafinha auf der linken Defensivseite sicherer stand als sein Vorgänger. Martinez (66.) wäre um ein Haar der zweite Bayern-Treffer geglückt, den wenig später Thiago besorgte.