Konzert: The Jesus and Mary Chain: Minimalismus in laut

The Jesus and Mary Chain (Archivbild)

Kaum jemand singt schmissiger darüber, wie beschissen das Leben ist – und das seit 30 Jahren. The Jesus and Mary Chain aus Schottland können es noch immer: diese brachial-schleppenden Songperlen, eingeschlagen in Gitarren-Feedbacks. Für sie wurde Mitte der 80er Jahre das Genre Shoegaze erfunden. Weil sie immer den Kopf hängen ließen und auf ihre Schuhe starrten. Dabei zeigen sie heute noch, mit welchem Druck, welcher Energie man seelische Abgründe mit Musik ausloten kann. Und wie cool man sein kann dabei.

Die Originalfans kommen in Schwarz ins Astra Kulturhaus: Lederjacken, dünne Iros. Es gibt aber auch Strohhüte und Irgendwie-Kulturleute in weißen Hemden, dazu Punks, die in der Wartezeit nach der Vorband im Stehen den "Spiegel" lesen. Doch es stehen auch Mädchen im Publikum, die zur Hochzeit der Band vermutlich noch gar nicht geboren waren. Das nimmt dem Ganzen das Ansehen, eine reine Nostalgieveranstaltung zu sein. Das, und das Konzert selbst. Denn schon nach wenigen Takten merkt man: Oha – taugt ja was.

Das tief gestimmte Schlagzeug knattert, der Bass pumpt wie ein Lebewesen und die Gitarre schiebt eine Lärmebene auf die nächste. Irgendwo dazwischen intoniert Jim Reid mit seiner hypnotisch-dünnen Stimme Zeilen wie "I wanna die like JFK / I wanna die on a sunny day". Er kann noch immer nicht singen, das aber sehr gut. Dabei hängt er am Mikroständer, ergraut und dünn, deutet die eine oder andere Rockerpose an, dreht sich dann lieber für eine Weile zu seinem Bruder William um. ...

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