Konzert-Kritik: Nick Cave feiert in Berlin explosiven Trauergottesdienst

Spillerig und bleich: Nick Cave und The Bad Seeds gaben sich in Berlin die Ehre

Nun ist es so weit: Nicholas Edward Cave aus Warracknabeal, Australien, spielt seine Songs in Hallen, in denen sonst Sport gemacht wird. Na gut: David Bowie, Bob Dylan, Madonna oder Die Toten Hosen waren auch schon da. Trotzdem ist die Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg nicht gerade, was man unter einem sexy Konzertort versteht. Doch es bilden sich lange Schlagen quer über den Vorplatz: über 10.000 Leute wollen rein.

Nick Cave hat seit den 1980er Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt: vom Post-Punk-Derwisch und Kreuzberger Vorzeigejunkie über den Autor großer Liebeslieder und versauter Romane bis zum fast religiös verehrten Schmerzensmann, der von Gott und Teufel singt. Dann hat ihn der Tod, der in seinen Songs so oft vorkommt, eingeholt: Sein 15jähriger Sohn Arthur stürzte in Brighton von einer Klippe. Was macht man da? Man trauert. Dann macht man weiter. Man nimmt eine Platte auf und geht wieder auf Tour.

Was so verkürzt zynisch klingen mag, ist für den Bühnenmenschen Cave eine Überlebensstrategie, man sieht es von der ersten Minute an. Spillerig und bleich, im dunklen Anzug mit weit geöffnetem Hemd und Goldkettchen rennt er – mittlerweile 60 Jahre alt – von einem Bühnenrand zum andern. Weit vor seiner Band steht er, spricht, flüstert, raunt und schreit in die ersten Reihen. Er badet in Wellen aus ihm entgegen gereckten Händen, lässt sich anfassen, auffangen, halten.

Wenn er die Songs des aktuellen Albums "Skeleton Tree" spielt, hat man wirklich das Gefühl, auf ei...

Lesen Sie hier weiter!