Konzert: James Levine und die Persönlichkeit des Klangs

James Levine (Archivfoto)

Berlin.  James Levine fährt rastlos im automatischen Rollstuhl durch das Stimmzimmer im neuen Probenzentrum der Staatsoper Unter den Linden. Die dritte Probe mit Mahlers Dritter Sinfonie liegt hinter ihm. Trotz seiner Krankheit möchte sich der große alte Dirigent voll und ganz auf das Gespräch einlassen, jetzt nennt er den ihm unbekannten Reporter sofort freundlich beim Vornamen. Seine Partitur von Mahlers Dritter liegt noch auf dem Klavier. Auf der ersten Seite: das handschriftliche Verzeichnis seiner Aufführungen von dem Riesenwerk, prominent rechts unten die beiden Zusammenarbeiten mit dem für Mahler berühmten Chicago Symphony Orchestra in den 70er-Jahren. Bei anderen stehen auch die Solisten: Mezzosopran-Stars wie Marilyn Horne und Waltraud Meier waren bei Mahlers sechssätzigem Koloss unter Levine bereits dabei.

Fragen zu seiner Gesundheit sind verboten. Doch James Levine kommt sofort selbst darauf. Er habe seit sieben Jahren Probleme mit dem Rücken, so umschreibt er es. Man weiß es aus der US-Presse: Der 74-Jährige hat Parkinson, die Extremitäten gehorchen manchmal nicht mehr – für den fulminanten pianistischen Opernrepititor muss es die Hölle sein. Jener Jimmy Levine, der vor acht Jahren in der Mittagspause von seiner Metropolitan Opera in die Carnegie Hall herüberkam, um aus dem Hintergrund den Proben von Pierre Boulez und Daniel Barenboim zu ihrem New Yorker Mahler-Zyklus zu lauschen – das war noch ein anderer. Man konnte sich damals den starkknochigen Mann auf dem Podium beste...

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