Konzert in Berlin: Einstürzende Neubauten als Salonorchester der Apokalypse

Blixa Bargeld auf der Bühne (Archivbild)

Berlin. "Nu macht ma!", ruft jemand kurz vor Ende des Konzerts von weit hinten in die Columbiahalle. Aber die Band auf der Bühne macht nicht. Jedenfalls nicht das, was der rufende Herr vermutlich meinte: infernalischen, selbstzerstörerischen Lärm mit amphetamingetriebenen über-pathetischen Textzeilen. All das, was die Einstürzenden Neubauten in den 1980er-Jahren zu einer der wichtigsten Bands Europas machte, ohne die weder Depeche Mode noch die härteren Spielarten des Techno je erfunden worden wären. Nein, das gibt es heute nur zu erahnen. Aber das ist okay. Wie lang kann man auch so leben wie Blixa Bargeld und seine Mannen damals, immer an der Kante zum Verbrennen?

Die Exzesse der Neubauten waren künstlerische: Grenzüberschreitungen, die keine Rücksicht nahmen auf die Ausführenden aus Fleisch und Blut. Mit technischem Nichtkönnen und sehr viel Energie ausgestattet wurde für Leute wie sie der Begriff "geniale Dilletanten" geprägt – nur echt mit falschem Doppel-L. Was sie in der Mauerstadt an wildem postindustriellem Dandytum abfeierten, gehört heute zur Legende Berlins. Man kann Bücher darüber lesen, Filme und Ausstellungen anschauen. Es gehört zu dem, was abertausende Touristen jedes Jahr aufs Neue in dieser Stadt suchen.

Man muss den Neubauten zugutehalten, dass sie nicht einfach diese Sehnsucht füttern. Dass sie sich seit den 90er-Jahren entwickelt haben, auf die Gefahr hin, Fans der frühen Platten wie "Haus der Lüge" zu verprellen. Bargeld ist heute Ende 50, er ist längst kein spin...

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