Bei welchen Banken das Girokonto wirklich nichts kostet

Wer auf der Suche nach einem Gratiskonto ist, muss genau hinschauen. Denn die Zahl der kostenlosen Angebote sinkt schnell.


Die genossenschaftlichen PSD Banken gelten eigentlich als typische Banken mit einem kostenlosen Girokonto. Inzwischen ist das aber nur noch für acht der 14 PSD Banken der Fall. Die PSD Bank Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Stuttgart verlangt neuerdings für ihr Konto PSD Giro-Direkt 2,50 Euro im Monat.

Damit ist das Konto zwar immer noch billiger als die meisten Girokonten anderer Banken und Sparkassen. Wer Mitglied der Bank ist, erhält obendrein zum monatlichen Gehaltseingang eine Gutschrift von zwei Euro, was die neue Gebühr also fast wieder ausgleicht. Trotzdem zeigt der Schritt der Stuttgarter: Die Zahl der echten Gratiskonten schwindet.

Wie andere Geldhäuser, die in den vergangenen Monaten Gebühren erhöht oder neue Entgelte eingeführt haben, ringt auch die PSD Bank Rhein-Neckar-Saar mit den niedrigen Zinsen.


Die Niedrigzinsphase habe „zur Folge, dass bestimmte Produkte derzeit erhebliche Defizite verursachen und somit unwirtschaftlich geworden sind“, so die Stuttgarter Bank. „Wir haben deshalb für unser Haus die Grundsatzentscheidung getroffen, dass jedes Produkt oder jede Dienstleistung einen Ergebnisbeitrag leisten und nicht quersubventioniert werden soll.“

Genau das war bei Gratiskonten bisher der Fall. Die Banken haben die entstehenden Kosten durch andere Geschäfte, etwa die Vergabe von Krediten und Eigenanlagen, ausgeglichen. Doch das funktioniert angesichts der Minizinsen nicht mehr. Sie nagen an den Erträgen der Kreditinstitute.

Zum einen schwinden die Margen im Kreditgeschäft, zum anderen verdienen die Banken weniger, wenn sie Geld sicher am Kapitalmarkt anlegen wollen. Das trifft besonders Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die stark vom klassischen Bankgeschäft mit Einlagen und Krediten leben. Viele dieser Geldhäuser, aber auch private Banken drehen daher an der Gebührenschraube.

Echte Gratiskonten gibt es daher immer weniger. Das Verbraucherportal Biallo zählt derzeit noch 32 kostenlose Girokonten. Noch im vergangenen Sommer waren es mindestens 40. Biallo hat mehr als 1.400 private und genossenschaftliche Banken sowie Sparkassen unter die Lupe genommen.



Zu den Geldhäusern mit Gratis-Angebot zählen vor allem Direktbanken, einige genossenschaftliche Sparda-Banken, mehrere PSD Banken sowie einige Sparkassen und Volksbanken, die ein entsprechendes Onlinekonto haben.

Dabei hat Biallo strenge Kriterien angelegt: Das Konto darf keine Grundgebühr haben und auch keinen monatlichen Mindesteingang verlangen, die Girokarte muss kostenlos sein, ebenso Onlineüberweisungen. Der mögliche Nachteil bei den meisten dieser Kreditinstitute: Sie haben kaum Filialen.

Das bedeutet auch, dass Biallo beispielsweise die Commerzbank nicht zu den Geldhäusern mit Gratisangebot zählt. Denn das „0-Euro-Konto“ der Commerzbank kostet nur dann nichts, wenn monatlich mindestens 1.200 Euro darauf eingehen.



Jahrelang haben viele Banken mit günstigen Girokonten geworben. Doch diese Zeiten nähern sich dem Ende. Ein Vorreiter bei der Kostenlos-Variante war die Postbank, mit rund fünf Millionen Girokonten eine der großen deutschen Privatkundenbanken.

Die Deutsche Bank-Tochter hatte 1998 ein Gratiskonto eingeführt, hat es Ende 2016 aber weitgehend abgeschafft. Umsonst bleibt das Konto nur ab einem Geldeingang von 3.000 Euro, zuvor lag die Grenze bei 1.000 Euro pro Monat.


Auch Barabhebungen kosten mitunter


Die Verbraucher müssen also immer genauer hinschauen, wenn sie die Kosten ihres Girokontos überblicken wollen, bei vielen Banken gab es es zuletzt Änderungen. So haben fast alle der größten Sparkassen Girokontenmodelle angepasst und letztlich für viele Kunden teurer gemacht. Gerade erst hat das die Sparkasse Bremen angekündigt, wie der „Weser-Kurier“ berichtet.

Auch das Premiumkonto der Commerzbank kostet künftig 30 Prozent mehr, nämlich 12,90 Euro pro Monat. Die Kosten für einige der Leistungen, die in dem Angebot enthalten sind, seien in den vergangenen Jahren gestiegen. „Wir konnten den Preis für das Premiumkonto fünf Jahre lang stabil halten – nun waren wir gezwungen, den Preis zu erhöhen“, so ein Commerzbank-Sprecher.

Für Gebührenerhöhungen bekommen die Geldhäuser sogar Rückendeckung von Bankenaufsehern. Um mehr zu verdienen, könnten sie „beispielsweise versuchen, ihre Erträge aus Gebühren und Provisionen zu erhöhen“, sagte die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank, Danièle Nouy, kürzlich. „Viele Banken haben bereits signalisiert, dass sie genau dies tun wollen.“


Bei den Kontogebühren genau hinzuschauen, ist immer sinnvoll, denn einige Geldhäuser berechnen ungewöhnliche Preise. So verlangen laut Biallo 69 der bundesweit knapp 400 Sparkassen bei zumindest einem ihrer Kontomodelle eine Gebühr für Barabhebungen. Ähnliches gilt für mehr als 300 der knapp 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken sowie für eine Direktbank. Auch sie bieten Kontomodelle an, bei denen Abhebungen am Automaten oder am Schalter unter Umständen Geld kosten. Insgesamt sind es doppelt so viele Kreditinstitute mit einer solchen Gebühr wie noch vor einem Jahr.

Trotz höherer und neuer Gebühren reagieren die Kunden bislang kaum - und das, obwohl ein neues Gesetz sowie neue Dienstleister den Wechsel einfacher machen. So planten im vergangenen Sommer nur acht Prozent der Verbraucher, ein neues Girokonto zu eröffnen und oder ihre Hauptbankverbindung zu wechseln, wie eine Umfrage der Meinungsforscher von YouGov ergibt.

Die Postbank verlor zwar unterm Strich zunächst Kunden, nachdem sie vor knapp anderthalb Jahren neue Kontopreise eingeführt hatte. Seit Herbst 2017 aber gewinnt die Bank per saldo wieder Kunden hinzu.

Dass bisher relativ wenig Kunden ihre Bank nach einer Gebührenerhöhung verlassen, dürfte auch daran liegen, dass vielen Verbrauchern ein Wechsel wegen beispielsweise zwei Euro zusätzlich im Monat zu aufwändig sei, meint Oliver Mihm, Chef der Unternehmensberatung Investors Marketing.


„Allerdings steigen die Kundenreaktionen auf deutliche Gebührenerhöhungen. Wo vor drei Jahren im Durchschnitt nur ein Prozent die Bank bei Gebührenerhöhung am Girokonto verlassen hat, fallen diese Reaktionen mit aktuell bis zu drei Prozent schon deutlicher aus“, beobachtet Mihm. „In der Zukunft werden Kunden reine Gebührenerhöhungen ohne Erweiterung der Leistungen immer weniger akzeptieren“.

Mihm rechnet damit, dass weitere Gebührenerhöhungen folgen. Banken könnten ihr Geschäft ausweiten und mehr Risiken bei der Kreditvergabe eingehen. Daneben bleibe die Erhöhung von Gebühren eine der wenigen Optionen für viele Banken und Sparkassen, um sich gegen die niedrigen Zinsen zu stemmen. Das gelte sowohl für Girokonten als auch zunehmend für das Wertpapiergeschäft.