Konservativer Piñera setzt sich in Chiles Präsidentschaftsstichwahl durch

Zum zweiten Mal Pinera

Chiles konservativer Ex-Staatschef Sebastián Piñera kehrt ins höchste Staatsamt zurück. Der 68-jährige Unternehmer und Milliardär setzte sich am Sonntag in einer Stichwahl gegen den Mitte-links-Kandidaten Guillier durch. Piñera, der für einen betont wirtschaftsfreundlichen Kurs steht, tritt damit im März die nachfolge der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet an. Er war bereits zwischen 2010 und 2014 Präsident.

Die Kurse an der Börse in Santiago de Chile reagierten auf den Sieg des Geschäftsmanns mit einem Sprung nach oben. Der unterlegene Senator Guillier räumte eine "schmerzhafte Niederlage" ein und gratulierte Piñera zu seinem Wahlerfolg.

Bachelet, die erste Präsidentin Chiles, durfte gemäß der Verfassung nicht wieder antreten. Sie unterstützte Guilliers Kandidatur. Bachelet traf sich am Montag zum Mittagessen mit Piñera, der weltweit zu den reichsten aktiven Politikern gehört.

Der 64-jährige Guillier rief dazu auf, unter Bachelet auf den Weg gebrachte Reformen zu verteidigen. Er war Piñera in 13 der 15 Regionen Chiles unterlegen - auch im nördlichen Antofagasta, das Guillier im Senat vertritt.

Der Ausgang der Stichwahl war keineswegs sicher gewesen. In der ersten Wahlrunde am 19. November hatte Piñera mit 36,6 Prozent schlechter als erwartet abgeschnitten. Der Journalist und Soziologe Guillier kam auf 22,7 Prozent. Als die beiden Erstplatzierten traten sie nun in der Stichwahl gegeneinander an.

Beobachter hatten damit gerechnet, dass Guillier im zweiten Durchgang die Stimmen von unterlegenen Linkskandidaten auf sich vereinigen könnte. So hatte die mit 20,3 Prozent Drittplatzierte der ersten Runde, Beatriz Sánchez vom Frente Amplio (Breite Front, FA) eine Wahlempfehlung für Guillier abgegeben. Doch vielen FA-Wählern war Guillier offenbar nicht links genug.

Stattdessen konnte Piñera die Anzahl der für ihn abgegebenen Stimmen zwischen der ersten und der zweiten Runde um rund 1,4 Millionen steigern. Chile vollzieht damit wie weitere südamerikanische Länder einen Rechtsruck. Auch in Argentinien, Brasilien und Peru sind in den vergangenen Jahren konservative Präsidenten an die Macht gekommen.

Piñera wird das Amt am 11. März übernehmen. Über eine eigene parlamentarische Mehrheit wird er nicht verfügen und deswegen auf die Bildung von Bündnissen angewiesen sein. In dem am 19. November gewählten Abgeordnetenhaus kann er sich auf 72 von insgesamt 155 Abgeordneten stützen. Guilliers Nueva Mayoría (Neue Mehrheit) zählt 43 Abgeordnete, die FA-Mitglieder sind 20 an der Zahl.

Bachelet durfte gemäß der Verfassung nicht zur direkten Wiederwahl antreten. Sie war bereits zwischen 2006 und 2010 Präsidentin - und hatte das Amt dann an Piñera übergeben. Damit vollzog sich der in Chile seit Jahren gewohnte Wechsel von Mitte-links zu Mitte-rechts.

Bachelet setzte in ihrer zweiten Amtszeit in dem konservativ geprägten Land mehrere gesellschaftspolitische Reformen durch. Dazu zählt die Einführung der Homo-Ehe und die Legalisierung von Abtreibungen in drei Fällen: Bei Vergewaltigung, Lebensgefahr für die Mutter und tödlichen Erkrankungen des Fötus.