Heißer Konkurrenzkampf: "Nicht Puder Rosa Ranch"

Martin van de Flierdt, Jochen Stutzky
Mats Hummels bewahrte die deutsche Nationalmannschaft vor ihrem ersten Punktverlust in der WM-Quali

Die Botschaft scheint angekommen. "Es gibt kein Freiticket für die WM", hatte Joachim Löw vor dem WM-Qualifikationsspiel in Prag gegen Tschechien gesagt und damit den härtesten Konkurrenzkampf ausgerufen, den es je um die 23 Kaderplätze des DFB-Teams vor einem großen Turnier gegeben hat. 

Beim 2:1-Erfolg am Freitagabend waren dann gerade die vier Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller, Mesut Özil und Toni Kroos mit auffälligem Eifer bei der Sache. Ausruhen auf alten Lorbeeren - das hat der Bundestrainer offenbar erfolgreich vermittelt - ist nicht das Gebot der Zeit.

"Wir sind nicht bei der Puder Rosa Ranch" (Beautysalon im Film "Schuh des Manitu", Anm. d. Red.), sagte der stellvertretende Kapitän Müller, der beim FC Bayern zuletzt nicht mehr erste Wahl war. "Wir bekommen hier keine Geschenke. Der Trainer muss die aufstellen, von denen er denkt, dass er mit ihnen am erfolgreichsten ist."

Hummels derzeit unantastbar

Besonders Siegtorschütze Hummels hat in der Eden Arena alles dafür getan, seinen Platz in dem von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff verbal geschaffenen Kreis der "Unantastbaren" zu festigen. 

"Mats und andere Weltmeister haben schon Vorbildfunktion für andere Spieler", meinte Löw nach der Partie. "Er hat überragend gespielt, nicht nur wegen des Tores. Er hat auch in der Defensive viele Situationen bereinigt. Ich glaube, er hat jeden Zweikampf gewonnen." Kroos verlieh dem deutschen Spielaufbau besonders vor der Pause Struktur, Özil mit seinen Laufwegen und dem Passspiel viel versprechende Ideen. Kroos legte zudem den Siegtreffer auf.

Der Druck der nachrückenden 17 Confed-Cup-Sieger macht den Weltmeistern Beine. "Es ist im Fußball so, dass nur die aktuelle Leistung zählt und man sich nicht viel davon kaufen kann, wenn man vor drei Jahren gute Leistungen gezeigt hat", spielte Joshua Kimmich im Gespräch mit SPORT1 auf die Helden von 2014 an. "Jeder bekommt eine faire Chance, wenn er Gas gibt, wenn er Leistung zeigt, ob im Verein oder hier beim DFB-Team."


Müller: "Die neuen Jungs tun uns gut"

Müller möchte den aktuellen Kader dennoch nicht als neue Mannschaft verstanden wissen, in denen die Weltmeister einerseits und die Confed-Cup-Sieger andererseits zwei Lager bilden - zumal Julian Draxler und Matthias Ginter zwei Spieler beiden angehören würden.

"Wir sind die gleiche Truppe wie immer, die sich immer weiter entwickelt", erklärte der Münchner. "Im Fußball geht es nie rückwärts, sondern immer vorwärts. Es kommen immer neue, frische Spieler dazu. Die Älteren müssen auch zeigen, was sie drauf haben, um sich zu etablieren. Die neuen Jungs tun uns auch gut."

Das derzeitige Aufgebot hat den Vorteil, bei Löws Trainerteam die erste Marke der Saison setzen zu können. "Bis zur WM ist es noch lange hin, dazwischen liegen noch so viele Spiele - da kann noch so viel passieren", meint Timo Werner, Torschütze zum 1:0 in Prag, zwar zu Recht an. "Aber wenn diejenigen, die jetzt dabei sind, auf ihrem Weg bleiben, haben sie alle gute Chancen dabei zu sein."