Konfrontationen zwischen Armee und Demonstranten erschüttern Libanon

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Beisetzung des getöteten Demonstranten

Der Libanon kommt nicht zur Ruhe: In der Protesthochburg Tripoli ist es zu erneut zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen den Sicherheitskräften und regierungskritischen Demonstranten gekommen. Am Dienstag erlag ein 26-jähriger Demonstrant seinen Verletzungen, nachdem er bei nächtlichen Zusammenstößen angeschossen worden war, wie seine Familie und Rettungskräfte sagten. Die Armee hatte in der Großstadt im Norden des Landes zuvor einen Marsch von hunderten Demonstranten gestoppt.

Mit dem Marsch setzten sich die Demonstranten am späten Montagabend über die in der Corona-Krise geltende Ausgangsbeschränkungen hinweg. Auch Kinder liefen mit. Die Demonstranten riefen "Revolution, Revolution". Seit dem 15. März sind die Menschen im Libanon zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus dazu angehalten, in ihren Häusern zu bleiben.

Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, stoppte die Armee den Marsch. Daraufhin wurden aus den Reihen der Demonstranten Steine geworfen, Soldaten feuerten Schüsse in die Luft ab.

Am Dienstag fand auf dem größten Protestplatz der Demonstranten in Tripoli die Beisetzung des getöteten Demonstranten statt. Dutzende Trauernde nahmen trotz der Corona-Auflagen daran teil. "Er ging auf die Straße, um seine Rechte einzufordern und hat nie Steine auf die Armee geworfen oder eine Waffe getragen", sagte seine Schwester Fatima der Nachrichtenagentur AFP.

Die Armee entschuldigte sich für den Tod des Demonstranten und erklärte, es würden Ermittlungen eingeleitet. Die Meinungsfreiheit werde respektiert, solange privates und öffentliches Eigentum nicht zerstört würden.

Auf beiden Seiten wurden bei den Zusammenstößen zahlreiche Menschen verletzt. Rettungskräfte sprachen von 27 Verletzten und einem Toten. Die Armee meldete 40 Verletzte in den eigenen Reihen. Zudem hätten Randalierer mehrere Bankgebäude in Brand gesetzt und Steine geworfen. Ein Militärfahrzeug sei mit einem Molotow-Cocktail beworfen worden. Neun Menschen seien festgenommen worden.

Bereits am Sonntag hatten Demonstranten in verschiedenen Landesteilen mit Straßenblockaden ihrem Unmut über die wirtschaftliche Misere des Landes Luft gemacht, die durch die Corona-Krise weiter verschärft worden ist. Der Libanon steckt in seiner schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg von 1975-1990. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es im Libanon immer wieder Demonstrationen gegen Misswirtschaft und Korruption gegeben. Tripoli ist einer der Brennpunkte der Protestbewegung.