Konfrontation zwischen Israel und dem Iran verschärft Syrien-Konflikt

Mit einer Reihe israelischer Luftangriffe in Syrien hat sich der Konflikt in dem Bürgerkriegsland weiter verschärft. Die israelische Luftwaffe bombardierte nach Armeeangaben ein Dutzend Stellungen der Regierungstruppen und des iranischen Militärs

Nach den israelischen Luftangriffen in Syrien wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts in dem Kriegsland. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte Syrien und dem Iran am Sonntag mit weiteren Einsätzen seiner Streitkräfte. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine sofortige Deeskalation in Syrien. UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad al-Hussein rief die Weltgemeinschaft angesichts des Leids der Zivilbevölkerung zum Handeln auf.

Israels Luftwaffe hatte am Samstag eine Serie von Angriffen in Syrien geflogen und dabei nach eigenen Angaben syrische und iranische Stellungen ins Visier genommen. Zuvor war einer ihrer Kampfjets über Syrien beschossen worden und auf israelischem Territorium abgestürzt. Die beiden Piloten konnten sich per Schleudersitz retten. Es war das erste israelische Kampfflugzeug seit 1982, das im Einsatz abgeschossen wurde.

Netanjahu bekräftigte bei einer Kabinettssitzung am Sonntag, dass Israel zu weiteren Militäreinsätzen bereit sei. "Wir werden jedem Schaden zufügen, der versucht, uns Schaden zuzufügen", drohte er. Israels Luftwaffe habe den syrischen und iranischen Kräften "einen schweren Schlag versetzt". Auslöser der Luftangriffe war nach Angaben Israels eine iranische Drohne, die am Samstagmorgen von Syrien aus in den israelischen Luftraum eingedrungen sei.

Mit dem Eingreifen Israels verschärfte sich eine weitere Frontstellung in dem vielschichtigen Syrien-Konflikt, in dem sich viele in- und ausländische Akteure gegenüberstehen.

Es war das erste Mal seit Beginn des Bürgerkriegs, dass Israel offen erklärte, mutmaßliche iranische Ziele in Syrien attackiert zu haben. Israel befürchtet einen zunehmenden Einfluss seines Erzfeindes Iran in Syrien. Teheran zählt neben Moskau zu den wichtigsten Unterstützern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Während Russland die Konfliktparteien nach Israels Intervention zur Zurückhaltung aufrief und vor einer "gefährlichen Eskalation" in Syrien warnte, stärkte die US-Regierung ihrem Verbündeten Israel den Rücken. Washington unterstütze "entschieden Israels souveränes Recht auf Selbstverteidigung", erklärte das US-Außenministerium. Der Iran und seine Verbündeten müssten ihre "provokativen Aktivitäten" einstellen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses.

Der Iran warf Israel hingegen "Lügen" vor, mit denen das Land seine "Verbrechen in der Region" verdecken wolle. Der Iran bestreitet, eine eigene militärische Präsenz in Syrien zu unterhalten. Es seien lediglich Militärberater geschickt worden, erklärte das Außenministerium in Teheran.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich besorgt über die "alarmierende militärische Eskalation in Syrien und die gefährliche Ausweitung" des Konflikts. Er forderte eine sofortige Deeskalation in dem Bürgerkriegsland.

Israel und Syrien befinden sich seit Jahrzehnten formell im Kriegszustand. Angeheizt wird die Lage dadurch, dass gleich zwei erklärte Feinde Israels - der Iran und die schiitische Hisbollah-Miliz - die syrischen Regierungstruppen unterstützen.

Seit dem Beginn des Konflikts war Israel darum bemüht, nicht in den Krieg im Nachbarland hineingezogen zu werden. Zugleich griff die Armee immer wieder Ziele in Syrien an, auch um Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu verhindern.

Die syrische Armee setzte unterdessen ihre Offensive auf die Rebellenhochburg Ost-Ghuta fort. Bei Luftangriffen der Armee wurden laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag sechs Zivilisten getötet. Die Angaben der Organisation sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die syrische Armee hatte vor einer Woche den Druck auf Ost-Ghuta verstärkt, wo rund 400.000 Menschen seit Jahren unter Belagerung leben. Binnen fünf Tagen wurden dort laut der Beobachtungsstelle etwa 250 Zivilisten getötet.

UN-Menschenrechtskommissar al-Hussein richtete einen Appell an die Weltgemeinschaft: Die abgelaufene Woche sei eine der blutigsten in dem Konflikt gewesen, erklärte der Jordanier am Samstag. Die internationale Staatengemeinschaft müsse deswegen "dringend" handeln. Der UN-Sicherheitsrat will am Montag über einen Resolutionsentwurf beraten, der eine einmonatige Feuerpause in ganz Syrien vorsieht.