Konfliktparteien im Tigray-Konflikt verständigen sich auf Waffenruhe

Im seit zwei Jahren andauernden Tigray-Konflikt in Äthiopien haben sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe verständigt. Beide Seiten hätten einer "Einstellung der Feindseligkeiten zugestimmt", sagte der Vermittler der Afrikanischen Union (AU), Olusegun Obasanjo, am Mittwoch nach tagelangen Friedensgesprächen in Südafrika. Die Konfliktparteien einigten sich demnach zudem auf eine "systematische und koordinierte Entwaffnung". Der äthiopische Regierungschef kündigte an, das Abkommen umzusetzen, die in der äthiopischen Region Tigray regierende Rebellenorganisation TPLF sprach von einem "Neubeginn".

Obasanjo zufolge umfasst das Abkommen auch "die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, der Dienstleistungen (in Tigray), den ungehinderten Zugang für humanitäre Lieferungen und den Schutz von Zivilisten". Er bezeichnete das Abkommen als Beginn einer "neuen Ära" für Äthiopien und mahnte: "Dieser Moment ist nicht das Ende des Friedensprozesses, sondern sein Beginn."

Der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed begrüßte die erzielte Einigung und kündigte an, sie umzusetzen. Er bezeichnete das Abkommen als einen "Meilenstein auf dem Weg der Reformen, die Äthiopien vor viereinhalb Jahren begonnen hat". Ahmed ist seit 2018 in Äthiopien an der Macht.

Die TPLF sprach von einem "Neubeginn" und erklärte, sie habe in den Friedensgesprächen "Zugeständnisse" gemacht, um "Vertrauen aufzubauen". "Wir sind bereit, dieses Abkommen umzusetzen und voranzutreiben." Dass nun eine Einigung erzielt wurde, zeige den Willen beider Seiten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und einen "neuen Weg des Friedens einzuschlagen".

Die USA begrüßten die Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien. Sie sei "ein wichtiger Schritt in Richtung Frieden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach von einem vielversprechenden Schritt, dem nun ein "echter Friedensprozess" folgen müsse.

Der Tigray-Konflikt hatte im November 2020 mit einer Offensive der äthiopischen Streitkräfte begonnen, nachdem die TPLF die Autorität der Zentralregierung immer wieder infrage gestellt hatte.

Die Kämpfe lösten eine massive humanitäre Krise aus. Mindestens zwei Millionen Menschen wurden vertrieben. Laut einer US-Schätzung starben rund eine halbe Million Menschen in dem Konflikt. Eine fünfmonatige Waffenruhe hatte Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung genährt, Ende August entflammten die Kämpfe aber erneut.

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