Mit komplizierten Finanzprodukten auf das Angstbarometer der Börse haben sich offenbar viele Hedgefonds verzockt. Doch es gibt auch Profiteure.


Seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump Anfang November 2016 bis Ende Januar dieses Jahres haben die US-Börsen eine eindrucksvolle Rally hingelegt. Und gleichzeitig fiel in diesem Zeitraum die Angst vor weiteren Kursverlusten. Das hat viele risikobereite Anleger eingeladen zu extremen Spekulationen.

Angst an der Börse ist messbar und ablesbar an den Volatilitätindizes Vix für das US-Barometer S & P 500 und VDax für den deutschen Leitindex. Diese „Angstbarometer der Börse“ beziehen sich auf die implizierte, die zukünftige Volatilität. Dabei nutzt man die momentanen Preise für Aktienoptionen, um die heute erwartete Volatilität zu berechnen. Sie spiegeln also die Erwartungen der Profis zur Marktentwicklung wider.

Der Markt ist groß: Die Anlageexperten der UBS schätzen, dass rund drei Milliarden US-Dollar in den Volatilitätsprodukten stecken. Oder besser gesagt: investiert waren. Denn viele Marktteilnehmer haben sich verspekuliert, weil sie auf weiter fallende Volatilität gesetzt haben. Am Montag vergangener Woche explodierten förmlich die Angstbarometer. Der Vix steig auf 50, in den Tagen zuvor lag er noch unter 15. Als Folge brachen die Kurse der Finanzkonstrukte ein.


Die Verluste sind immens. Das „VelocityShares Daily Inverse VIX ETN“ von der Credit Suisse werden am 21. Februar vom Markt genommen. Am Montag vergangener Woche ging das Papier mit 99 US-Dollar und einem Tagesvolumen von mehr als einer halben Milliarde Dollar aus dem Handel. Der Eröffnungskurs am Dienstag lag bei 10,49 Dollar.

Ähnliches gilt für die anderen Finanzkonstrukte, mit denen zumeist institutionelle Anleger auf fallende Volatilität gesetzt hatten. Auch der „ProShares Short VIX Short-Term Futures“ eröffnete bei einem Kurs von 11,70 US-Dollar. Am Vortag notierte er bei einem Handelsvolumen von rund 800 Millionen Dollar noch bei 71,82 Dollar. In beiden Fällen hatten die Investoren keine Chance, aus den Produkten ohne massive Verluste auszusteigen.

Mittlerweile hat dieser Kurssturz bei dem Produkt der Credit Suisse die Aufmerksamkeit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC auf sich gezogen. Die Behörde habe deswegen vergangenen Dienstag bei der Schweizer Großbank nachgefragt, berichtete das „Wall Street Journal“.

Dabei wollte die SEC wissen, wie das Spezialprodukt berechnet werde und ob auch Privatkunden von den Turbulenzen betroffen waren, wie das Blatt unter Berufung auf einen Insider berichtete. Die Credit Suisse wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Auch die Schweizer Finanzmarktaufseher (Finma) sind in der Sache bereits in Kontakt mit der Bank.

Doch es gibt auch Profiteure dieser Entwicklung der Volatilität. Die Manager des bis dahin unbekannten Hedgefonds Ibex Investors aus Denver kassierten ab. Der Plan der 20-köpfigen Truppe war, dann zu profitieren, falls die rekordverdächtige Ruhe an den Aktienmärkten plötzlich endet. Weil Ibex genau darauf gewettet hatte, machte der Fonds über Nacht aus 200.000 Dollar 17,5 Millionen, ein Plus von gut 8600 Prozent.

Ibex-Gründer Justin Borus und sein Team waren überzeugt, dass diese Wall-Street-Wette nicht mehr lange funktionieren würde: auf eine weiter sinkende Volatilität zu setzen. Und setzten auf höhere Schwankungen. „Wir wurden ausgelacht“, sagte Borus zu Bloomberg. Denn bis zum Abend des 5. Februar waren die gekauften Optionen kaum etwas wert. Dann aber verlor der Fonds, gegen den er gewettet hatte, 96 Prozent. Borus und seine Kollegen machten das Geschäft ihres Lebens. Und nach einer schlaflosen Nacht am Montag vergangener Woche gingen sie erst einmal Skifahren.