Jetzt kommt Bitcoin Gold

Vor kurzem spaltete sich der Bitcoin in zwei Digitalwährungen auf. Nun erscheint die dritte Variante: Bitcoin Gold soll die Währung demokratisieren, unabhängig machen von teurer Hardware. Ob der Plan aufgeht, ist offen.


Seit Dienstagabend gibt es eine neue Währung auf dem Markt für digitales Geld: Bitcoin Gold. Sie stellt nach weniger als drei Monaten schon die zweite Spaltung der Digitalwährung Bitcoin dar. Die Abspaltungen sind Ausdruck eines Machtkampfes, der innerhalb der Bitcoin-Community tobt. Die digitale Währung hat Probleme – die Bitcoin-Gold-Macher versprechen Abhilfe.

Hauptproblem der mit einer Marktkapitalisierung von 91 Milliarden Dollar wichtigsten Digitalwährung: Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk dauern immer länger. Die sich beständig erweiternde Datenbank hinter dem Bitcoin, die Blockchain, verschlingt immer mehr Rechenleistung. Auch problematisch: Die Macht über die Herstellung neuer Bitcoins liegt mittlerweile hauptsächlich bei den Buchhaltern der Blockchain, den sogenannten Minern, die zum größten Teil in China sitzen. Sie benutzen sehr leistungsfähige, teure Rechennetzwerke, sogenannte ASICs. Die können sich gewöhnliche Bitcoin-Fans kaum leisten, sind damit von der Pflege der Datenbank – und dem Verdienen neuer Bitcoins – ausgeschlossen. Die Macht konzentriert sich in wenigen Händen, was der ursprünglichen Philosophie des Bitcoins, möglichst dezentral zu sein, widerspricht.

Das Problem der Machtkonzentration soll Bitcoin Gold lösen, glaubt man den Anhängern. Der Herstellungsprozess der neuen digitalen Währung, das sogenannte Mining, soll so verändert werden, dass der Einsatz von ASICs unmöglich wird. Damit sollen langfristig wieder mehr Leute Bitcoins herstellen können – mithilfe schneller Grafikkarten auf dem heimischen Rechner. Die ganze Community würde wieder unabhängiger von den großen Firmen, die aktuell das Mining bestimmen. Das zumindest versprechen die Entwickler von Bitcoin Gold.


Die Debatte über Bitcoin Gold wird in der Kryptowährungs-Szene sehr kontrovers geführt. Einige erhoffen sich technische Verbesserungen, andere sehen in der jüngsten Abspaltung ein anderes Motiv am Werk – die Hoffnung auf das schnelle Geld. Denn ein Prozent der neuen Bitcoin-Gold-Münzen soll direkt an das vergleichsweise kleine Entwicklerteam gehen. Und ob die Technik tatsächlich so viel besser funktioniert, dass wieder viele Menschen anfangen, privat von zu Hause aus Bitcoins zu produzieren, kann keiner vorhersagen.

Die Szene hat Erfahrung mit Abspaltungen. Die erste fand beim Bitcoin Anfang August dieses Jahres statt. Damals wurde die Währung Bitcoin Cash ins Leben gerufen. Sie erhöhte die Größe der Datenblöcke der Blockchain, sodass schnellere Transaktionen möglich wurden, und löste damit ein Grundproblem der Währung. Der Preis von Bitcoin Cash sank dennoch direkt nach dem Start deutlich, was viele Anleger enttäuschte. Aktuell liegt er relativ stabil bei rund 325 Dollar.


Ob die neue Abspaltung Erfolg hat, muss sich erst zeigen. Ihr Überleben hängt auch davon ab, wie viele Leute mitziehen und statt auf den Bitcoin zukünftig auf Bitcoin Gold setzen. Wer bereits Bitcoin hält, wird bei vielen Börsen zum Kurs von 1:1 Bitcoin Gold gutgeschrieben bekommen – vorausgesetzt, die Abspaltung klappt ohne Probleme. Erst wenn ein ausreichend großer Teil an Minern die Bitcoin-Gold-Datenbank pflegt, hat die neue Digitalwährung eine reale Erfolgschance.

Mit einer Marktkapitalisierung von zurzeit mehr als 93 Milliarden Dollar ist der Bitcoin die größte Kryptowährung. Auf Platz zwei liegt Ethereum mit 28 Milliarden Dollar. Die erste Bitcoin-Abspaltung, Bitcoin Cash, liegt momentan mit einer Marktkapitalisierung von 5,5 Milliarden Dollar immerhin noch auf dem vierten Platz.


Angesichts der Unsicherheit ist der Preis eines Bitcoins in den letzten zwei Tagen unter die 6000-Dollar-Marke gefallen. Momentan liegt der Kurs bei 5630 Dollar. „Der aktuelle Abschwung ist darauf zurückzuführen, dass die Händler kleinere Unruhen aufgrund bevorstehender Abspaltungen erwarten“, sagt Thomas Glucksmann von der Kryptowährungs-Börse Gatecoin in Hongkong.

Insgesamt legte die wichtigste Digitalwährung aber allein diesen Monat 37 Prozent an Wert zu. Im gesamten Jahr hat sie knapp 500 Prozent an Wert gewonnen – aller Probleme und Debatten innerhalb der Community, als auch der verschärften Beobachtung durch die weltweiten Aufsichtsbehörden zum Trotz.

KONTEXT

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird "peer-to-peer" gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte - die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten "White Paper", dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem "permissionless", können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem "trustless": Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

in seinem berühmten "White Paper", dem Gründungsdokument der Community

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei "ein Spekulationsobjekt", dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. "Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren."

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert - für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Streit über die Herstellungsrechte

die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht