Kommentar: Wir haben ein Problem mit Reichen

Jan Rübel
Reporter bei Zeitenspiegel Reportagen
Die Kanzlei Appleby steht im Mittelpunkt vieler “Paradise Papers” (Bild: Reuters)

Es ist billig, die Geldgeschäfte von Reichen zu kriminalisieren. Aber leider wichtig. Denn allzu viele Steuervermeidungsversuche offenbaren: Da gibt es ein Problem damit, halbwegs anständig zu sein.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Nun hauen wieder alle auf die Reichen ein, wegen der “Paradise Papers”. 13,5 Millionen Dokumente wurden geleakt und von 400 Journalisten ausgewertet. Heraus kam eine Sammlung von Firmen, Politikern und Privatpersonen, die ihr ohnehin üppiges Einkommen verstecken. Warum tun die das?

Gegen Reiche sein ist billig, diese bilden ja eine Minderheit wie Geflüchtete. Und es muss einem sehr Wohlhabenden, der einen gehörigen Prozentsatz seines Einkommens an die Gesellschaft abgibt und sich vielleicht darüber hinaus wohltätig engagiert, schmerzen, wie “die Reichen” nun in eine Schublade gesteckt werden; und es gibt zahlreiche Reiche, die für ihre Mitmenschen enormes leisten. Doch leider sind da noch allzu viele schwarze Schafe, um nicht aufzuschreien.

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Die “Paradise Papers” beschreiben, wie konsequent Steuern gespart werden. Da werden Briefkastenfirmen in Ländern gegründet, in denen ihre Gründer nicht wohnen oder deren eigentliche Firmen nicht arbeiten; nur Klingelschilder gibt es. Alles aus dem alleinigen Grund, dass in diesen kleinen Regionen die Steuergesetze des guten Anstands zum Teufel geschickt werden um mit selbigem einen Pakt zu schließen: Ich habe viel und gebe so wenig wie möglich ab, oder frei und unumgänglich übersetzt: Ich bin egoistisch, unsolidarisch, unsozial und unmoralisch. Dass selbst die evangelische und die katholische Kirche in Private-Equity-Fonds investieren, welche sie auf den Kanzeln verdammen lassen, ist da nur das Sahnehäubchen eines verdammt bitter schmeckenden Kuchens.

Schlecht bleibt schlecht

Steuerparadiese haben keine Existenzberechtigung. Es gibt sie nicht, damit man sich vor autokratischen Regimen schützt, vor staatlicher Willkür, es gibt sie allein aus Geiz und Gier. Es gibt sie nicht, um einen Wettbewerbsdruck herzustellen, damit die bösen Finanzminister nicht immer tiefer in die Taschen mit sauer verdientem Geld greifen, es gibt sie allein aus Geiz und Gier. Und es gibt sie, weil unsere Politiker, auch unsere Bundesregierung, dies zulassen.

Es wird die große Aufgabe des nächsten Bundesfinanzministers sein, dieses tragische Versäumnis Wolfgang Schäubles anzugehen. Den Reichen und den reichen Firmen muss klargemacht werden, dass sie hier Steuern zu zahlen haben, wollen sie ihre Kinder in staatliche Schulen schicken, die Mülltonnen entleert sehen und weiterhin mit dem Benz die Brötchen vom Bäcker auf staatlich finanzierten Straßen fahrend abholen.

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Dass nun Konzerne wie Apple kleinlaut und ungeniert murmeln, man habe sich nur ans Gesetz gehalten, kann nur Aufmunterung an die Politik sein, dieses zu ändern.

Für die Politik bedeutet dies, dass nur Gemeinsamkeit zum Erfolg führt. Nationale Egoismen aber führen zur Spaltung – das sei allen Nationalisten ins Gebetsbuch geschrieben, die nun gegen Superreiche und Konzerne zetern, aber genau jene Regierungen lieben, die einem Austrocknen der Steueroasen im Wege stehen.

Und für jeden einzelnen bedeutet es, Anständigkeit hoch zu halten. Steuern zahlen und sich gut dabei fühlen. Das gilt für das Einkommen eines Krankenpflegers wie für das eines Unternehmensberaters. Und die Reichen könnten üben für einen Aufstand der Anständigen.

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