Kommentar: Weshalb 2020 das schlimmste Jahr aller Zeiten für die britischen Royals war

Style International Redaktion
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Als die Queen 1992 für die Königsfamilie zum „annus horribilis“ erklärte, hätte sie vielleicht nicht so streng geurteilt, wenn sie gewusst hätte, was das Jahr 2020 für die Windsors bereithalten sollte. Damals brach ein Feuer in Windsor Castle aus, es gab drei royale Scheidungen und ein Zehenlutscher-Vorfall sorgte für Fassungslosigkeit.

2020 war eine Berg-und-Talfahrt für die Königsfamilie. Foto: Getty Images
2020 war eine Berg-und-Talfahrt für die Königsfamilie. (Foto: Getty Images)

„1992 ist kein Jahr, auf das ich mit ungetrübter Freude zurückblicken werde“, sagte sie über die 12 Monate. In diesem Zeitraum wurden 100 Zimmer in Windsor Castle zerstört, Charles und Diana sowie Andrew und Fergie und Anne und Mark trennten sich. Hinzu kamen das Auftauchen von Fotos einer sonnenbadenden Fergie mit ihrem neuen Lover oben ohne und Diana veröffentlichte ein Enthüllungsbuch mit Einzelheiten zu Charles‘ und Camillas Affäre. Und dann wurde sie auch nach während einem Staatsbesuch in Deutschland mit Eiern beworfen. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie dachte, es könnte nicht viel schlimmer kommen.

In ihrer Weihnachtsansprache von 2019 gestand die Queen, dass das Jahr „recht holprig“ gewesen sei. Möglicherweise war dies eine Untertreibung, wenn man bedenkt, dass Andrew – angeblich ihr Lieblingssohn – bei einem Fernsehauftritt zu seiner Beziehung mit seinem in Ungnade gefallenen ehemaligen Freund, Jeffrey Epstein, ins Kreuzverhör genommen wurde. Epstein wurde letztes Jahr wegen Sexualstraftaten mit Minderjährigen verhaftet.

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Das Interview, das ohne die Einwilligung Ihrer Majestät gegeben wurde, sollte bei der Bevölkerung Verständnis für Andrew auslösen. Allerdings tat es genau das Gegenteil. Drei Tage später verkündete der Palast, dass sich Andrew von all seinen 230 Schirmherrschaften zurückziehen werde.

Megxit

Prinz Harry und Meghan Markle gaben ihre Positionen als hochrangige Royals auf und zogen nach L.A. Foto: Getty Images
Prinz Harry und Meghan Markle gaben ihre Positionen als hochrangige Royals auf und zogen nach L.A. (Foto: Getty Images)

2019 war auch das Jahr, in dem Harry und Meghan begannen, öffentlich darüber zu sprechen, wie unglücklich sie sich mit ihrem royalen Leben fühlen. Sie leiteten rechtliche Schritte gegen eine britische Boulevardzeitung ein, weil diese „unrechtmäßig“ einen privaten Brief veröffentlicht hatte und Meghan gestand, dass es hinter den Kulissen wegen der ganzen Aufmerksamkeit der Medien „ein Kampf“ sei, da diese ihr unterstellten, sie habe einen Keil zwischen Harry und seinen großen Bruder William getrieben.

Aber wenn 2019 „ziemlich holprig” war, dann war 2020 definitiv ein Fall von schweren Turbulenzen für die Royals.

Das begann gleich im Januar, als Harry und Meghan aus dem Weihnachtsurlaub zurückkehrten und verkündeten, sie würden als „hochrangige Royals zurücktreten.“

Angeblich war die Queen von der Ankündigung überrumpelt worden, sie war Berichten zufolge „verletzt“ und „enttäuscht“, dass diese Pläne nicht vorab mit ihr besprochen worden waren. Ihre Reaktion war kurz und bündig: „Die Gespräche mit dem Herzog und der Herzogin befinden sich noch in einer frühen Phase“, lautete ihre Erklärung. „Wir können ihren Wunsch nachvollziehen, einen anderen Weg gehen zu wollen, aber das sind komplizierte Fragen, die Zeit erfordern, um gelöst zu werden.“

Die Kluft zwischen den Sussexes und dem Rest der Familie vergrößerte sich im Laufe des Jahres noch weiter. Das mit Spannung erwartete Buch Finding Freedom, das im August erschien, brachte weitere schlüpfrige Details ans Licht.

Darin wird William vorgeworfen, er habe sich Meghan gegenüber hochmütig verhalten. Kate wiederum habe die Kluft zwischen den beiden Familien „nicht überbrückt“ und die royalen Angestellten hätten auf Meghan herabgeblickt. Mit anderen Worten, all die Arbeit, die die jüngeren Royals im vergangenen Jahrzehnt geleistet haben, um die Monarchie zu modernisieren und sich nahbarer zu machen, war ruiniert.

Meghan und Harry stritten anfangs zwar ab, einen Beitrag zu dem Buch geleistet zu haben, aber vergangenen Monat enthüllten Dokumente, dass Meghan einer Freundin erlaubt hatte, mit den Buchautoren zu sprechen. Ihr Geständnis untermauerte die Spaltung der Familie. Die Brüder haben angeblich seit Monaten nicht mehr miteinander gesprochen und es wird noch lange dauern, bis sie ihre ehemals so enge Freundschaft wieder aufgebaut haben werden.

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Prince Andrews Beziehung zu Jeffrey Epstein

Prinz Andrew wurde zu seiner Beziehung zu Jeffrey Epstein befragt. Foto: Getty Images
Prinz Andrew wurde zu seiner Beziehung zu Jeffrey Epstein befragt. (Foto: Getty Images)

Im Mai dieses Jahres machte die Queen einen weiteren Versuch, das zunehmend größer werdende royale Problem namens Andrew einzudämmen. Er wurde von all seinen royalen Pflichten entbunden, da immer mehr Stimmen laut wurden, dass er formell zu seiner Verwicklung mit Jeffrey Epstein befragt werden müsse.

Als Epsteins Ex-Freundin, Ghislaine Maxwell, im Juli verhaftet wurde, gab es Gerüchte, Andrew solle an die USA ausgeliefert werden, um Fragen zu den Handlungen des Paares zu beantworten. Dies ist bisher nicht geschehen, aber die Situation für Andrew verschlechtert sich immer mehr.

Im Oktober wurde Maxwells Aussage von 2016 öffentlich gemacht und Andrews Name wurde hinter bestimmten geschwärzten Aussagen vermutet. Es gab zwar nicht viele neue Details, aber es war ein weiterer Nagel im Sarg seiner Karriere als Royal.

Selbst ein so fröhlicher Anlass wie die Hochzeit seiner Tochter Prinzessin Beatrice im Juli wurde durch Andrews Verbindung getrübt. Auf den offiziell veröffentlichten Hochzeitsbildern war er nirgendwo zu sehen – ein offensichtlicher Verzicht, der zeigt, wie gefährlich er für den Ruf der Königsfamilie geworden ist. Die Bilder heben den „spektakulären Sündenfall“ des Herzogs von York noch weiter hervor – und sind ein Signal der Queen, dass sie die Notwendigkeit versteht, ihn auszuschließen.

Royals positiv auf COVID-19 getestet

Prinz William und Prinz Charles hatten sich mit COVID-19 angesteckt. Foto: Getty Images
Prinz William und Prinz Charles hatten sich mit COVID-19 angesteckt. (Foto: Getty Images)

Abgesehen von den royalen Skandalen, war 2020 auch für die Königsfamilie von COVID-19 geprägt. Prinz Charles „kam glimpflich davon,” nachdem er sich angesteckt hatte und Prinz William, der im April erkrankte, hatte „Atemprobleme“.

William hielt seine Diagnose geheim – eine Entscheidung, für die er stark kritisiert wurde. Der Palast ging sogar so weit, abzustreiten, dass er erkrankt sei. Deshalb begannen sich viele zu fragen, über was die Königsfamilie noch alles gelogen hat.

Die Queen und Prinz Philip isolierten sich monatelang gemeinsam in Windsor Castle. In ihrer gesamten 68-jährigen Regierungszeit hatten sich sie sich noch nie so lange von öffentlichen Aufgaben zurückgezogen. Zwar zeigte sie sich der Öffentlichkeit für einen sozial distanzierten Gottesdienst am Remembrance Day, aber es wird angenommen, dass es für die 94-jährige Monarchin zu gefährlich sein könnte, jemals wieder zu einem vollen Terminkalender mit öffentlichen Verpflichtungen zurückzukehren.

The Crown öffnet für Charles und Camilla alte Wunden

Die Netflix-Serie The Crown hat dazu geführt, dass Prinz Charles und Camilla im Internet mit Trollen kämpfen. Foto: Getty Images
Die Netflix-Serie The Crown hat dazu geführt, dass Prinz Charles und Camilla im Internet mit Trollen kämpfen. (Foto: Getty Images)

Auch Charles und Camilla hatten ein schlechtes Jahr. Nachdem Camilla jahrelang als „die andere Frau“ in Charles‘ und Dianas Ehe angesehen wurde, hatte eine sorgfältig ausgearbeitete PR-Kampagne in den letzten fast zwei Jahrzehnten ihr Image in der Öffentlichkeit repariert.

Innerhalb weniger Wochen wurde diese Arbeit jedoch zunichte gemacht, denn die vierte Staffel der Netflix-Serie The Crown konzentriert sich auf ihre Dreiecksbeziehung.

Trolle überschwemmten daraufhin die Social Media Accounts von Charles und Camilla, was diese dazu zwang, ihre Twitter- und Instagram-Konten für Kommentare zu sperren. Auch ihre jüngste Reise nach Deutschland wurde von der öffentlichen Stimmung ihnen gegenüber überschattet.

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Jetzt, wo 2020 zu Ende geht, hoffen die Royals wahrscheinlich darauf, dass 2021 besser wird. Aber auch der Kalender für das nächste Jahr sieht nicht viel besser aus: Ghislane Maxwells Prozess steht an und wird Andrew zweifellos in den Mittelpunkt des Skandals rücken. Hinzu kommt, dass Ende des Jahres Harry und Meghans Prozess wegen Verletzung der Privatsphäre beginnen wird. Und dann wird noch der Bericht über die Methoden veröffentlicht, wie der Journalist Martin Bashir Diana 1995 zu ihrem berühmt berüchtigten Interview überredete. Dieser wird sowohl bei William als auch bei Harry alte Wunden aufreißen.

Während 2019 holprig und 2020 für die Königsfamilie turbulent war, könnte 2021 explosiv werden.

Katherine Chatfield