Kommentar: Trump feuert alle - nur nicht sich selbst

Das Verhältnis zwischen Trump und Tillerson soll schon länger angespannt gewesen sein (Bild: REUTERS/Jonathan Ernst)

Nun erwischte es den US-Außenminister. Lag es an den unterschiedlichen Intelligenzquotienten?

Ein Kommentar von Jan Rübel

Anscheinend blieb Rex Tillerson ahnungslos, bis jemand aus seinem Ministerium den neusten Tweet von Donald Trump las: “Glückwunsch an alle!” Damit meinte Amerikas Präsident: Tillerson ist raus, CIA-Chef Mike Pompeo übernimmt, dessen Stellvertreterin Gina Haspel wird erste Frau an der Spitze des Geheimdienstes.

Letzteres ist die gute Nachricht. Alles weitere ist der übliche Schlamassel um Trump. Sollte Tillerson tatsächlich kalt überrascht worden sein, wäre Trump ein erneuter Coup in schlechtem Stil gelungen, wonach jetzt auch Kündigungen per Twitter verbreitet werden. Der Immobilien- und Medienunternehmer ist peinlich darauf bedacht, nur jedes Fettnäpfchen zielsicher anzusteuern. Seine Anhänger lieben es. “You are fired!”, hieß nicht umsonst eine Sendung aus dem Trumpschen Universum. Und eine andere Strategie hat sich längst herausgeschält: Je stärker Trump die politische Kultur vergiftet, desto ungeschorener kommt er mit seinen eigenen Fehlern davon.

Seine eigenen Irrtümer und Versäumnisse in Sachen Amtsverantwortlichkeit können ob ihrer Häufigkeit an dieser Stelle nicht mehr aufgezählt werden. Egal! Bad news are good news – solange Trump die Schlagzeilen dominiert. Solange Trump agiert, und nichts dokumentiert dies eindrucksvoller als eine schnoddrig hingeworfene Kündigung, vermittelt er das Bild, noch im Sattel zu sitzen. Der Präsident sagt es ganz offen: Im Weißen Haus herrsche kein Chaos, erklärte er zwar jüngst, fügte aber hinzu: “Ich liebe Konflikte.” Politik ist für ihn die Fortsetzung von Unterhaltung mit anderen Mitteln, unter der Bedingung: Alle verlieren, nur Donald nicht.

Immer einen drauf

So schraubt der Herr im Weißen Haus an jeder Eskalationsspirale. Fragen, ob es etwa inhaltliche Auseinandersetzungen zwischen ihm und Tillerson gegeben habe, werden nun gar nicht erst in den Vordergrund treten. Natürlich gab es Zwist. Tillerson setzte sich für ein Einvernehmen mit der NATO ein, vermied einen Kollisionskurs mit Europa. Gegen eine Aufkündigung des Pariser Abkommens zum Klimaschutz sprach er sich ebenso wenig aus wie für ein Ende des Vertrags mit dem Iran.

Insofern war Tillerson eine Art unfreiwilliger Gegen-Trump, der einmal in einem Moment der Verzweiflung über Trump gesagt haben soll, er sei ein “Moron”, ein Schwachkopf. Das mag dem Präsidenten nicht gefallen haben, der natürlich trotz seiner Selbstliebe wohl vernommen haben wird, dass drei Viertel der Welt sich über ihn lustig machen. Im Spaß soll Trump seinem Außenminister angeboten haben, die Intelligenzquotienten zu vergleichen. eigentlich schade, dass es dazu nicht kam.

Weg mit den Werten

Der neue, Mike Pompeo, wird jedenfalls nicht auf den Kopf gefallen sein. Er wird das Amt des Außenministers nicht groß anders führen als Tillerson, dessen Ernennung damals, als alle noch schier ohnmächtig ob der Wahl Trumps zum Präsidenten schwankten, eine weitere Überraschung war: Immerhin ist Tillerson ein Mann der Ölindustrie und hatte vorher kein politisches Amt inne. Da kommt Pompeo, der an der Militärakademie Westpoint und an der Harvard-Universität studiert hatte, direkt politischer daher.

Pompeo ist ein Falke vom rechten Flügel der Republikaner. Dies aber wird ihm nicht helfen, denn Trump interessiert weder Links noch Rechts, er will nur unbedingte Gefolgschaft bei allen Volten, die er in seiner Präsidentschaft noch schlagen wird. Pompeo wird seine Überzeugungen rasch abzugeben haben, oder bald heißt es auch über ihn: “You are fired!”

Trump braucht diese Zyklen. Alle zieht er an und schießt sie wieder weg, nur er bleibt. Damit nährt er seine Hoffnung, wir könnten uns tatsächlich an ihn gewöhnen; was nur ein weiterer Beweis für seine Scharlatanerie ist.