Kommentar: Sicherheitskonzept für das Domumfeld ist nicht zu Ende gedacht

Kölns Plan zur Terrorabwehr am Dom ist ein Anfang, aber es gibt Lücken.

Denken wie ein Terrorist. Das ist die Aufgabe, vor der diejenigen stehen, die für unsere Sicherheit als Bürger verantwortlich sind. Wie sonst sollten sich Risiken erschließen, als durch den gedanklichen Perspektivwechsel vom Guten zum Bösen.

Dass Polizei und Stadtverwaltung nun Sicherungsmaßnahmen für den Kölner Dom vorgestellt haben, ist vor dem Hintergrund der Anschläge von Barcelona sehr gut zu verstehen. Eigentlich hatten die Terroristen dort ja das Wahrzeichen der Stadt sprengen wollen, die Kathedrale Sagrada Família von Antonio Gaudí. Auch Deutschlands bekanntestes und größtes sakrales Bauwerk steht im Zentrum terroristischer Fantasien. Das ist gewiss mehr als eine raunende Vermutung.

Sicherheit beginnt vor der mechanischen Barriere

Die vorgestellten Maßnahmen sind so willkommen wie mit heißer Nadel gestrickt. Sie beruhen im Wesentlichen darauf, durch die Platzierung alter, schwerer Domquader sowie den mobilen Einsatz von Polizeifahrzeugen im Extremfall das Äußerste zu verhindern. Es sind mechanische Barrieren gegen Angriffe von Tätern, zu deren Programm wahlloses Morden gehört.

Dieses Szenario führt folgerichtig zu der Frage, an welcher Stelle denn der Staat und seine Sicherheitsbehörden zu intervenieren gedenken, noch bevor zu allem entschlossene Terroristen von Dombausteinen aufgehalten werden. Sicherheit beginnt vor der mechanischen Barriere. Und Sicherheitskonzepte werden mehr beinhalten müssen, als improvisierte Großpoller, um Wahnsinnsfahrten zu verhindern. Jedenfalls müssten sie das, wenn sie umfassend und tief gestaffelt sein wollen.

Warum diskutiert die Politik nicht offen über die Ursachen?

Bis vor kurzem waren deutsche und europäische Städte weitgehend sicher – im Gegensatz zu afrikanischen oder lateinamerikanischen Metropolen, wo Besucher vor dem Verlassen ihres Hotels vernünftigerweise mit Einheimischen oder dem Wachpersonal sprechen, damit sie ihnen wenigstens die elementaren Überlebensregeln mit auf den Weg geben.

Wie kommt es, dass sich auch bei uns die Dinge inzwischen so sehr zum Schlechteren verändert haben? Und warum diskutiert die Politik nicht offen über die Ursachen? Wer Sicherheit allein an die Polizei delegiert, der läuft Gefahr, einen Polizeistaat zu bekommen. Er muss sich ferner auf eine Form von Krieg gegen die Bürger einstellen, die wir heute vielleicht noch nicht für möglich halten, die in der Digitalindustrie aber bereits beschworen wird: Hundert internationale Technologie-Unternehmen, darunter die E-Auto-Schmiede Tesla, haben soeben vor tödlichen autonomen Waffen gewarnt, umgangssprachlich „Killerroboter“ genannt.

Politische Wirrköpfe feiern Comeback

Es werden völlig neue, enorme Kraftanstrengungen aller notwendig sein, um dem Terrorismus wirksam entgegentreten zu können. Und es ist eine bittere Pointe, dass gerade jetzt Populisten und politische Wirrköpfe vom Zuschnitt eines Donald Trump oder Recep Tayyip Erdogan eine Art von Comeback feiern.

Zurück nach Köln. Was in Barcelona die Ramblas sind, wo der Terror vorige Woche seine blutige Spur zog, das sind hier Hohe Straße, Schildergasse und die Ringe. „Wo fängt man an, wo hört man auf?“, entgegnete Kölns neuer Polizeichef Uwe Jacob auf die Frage, wie es denn um den Schutz dieser Flaniermeilen stehe. Ein „Sicherheitskonzept“, das verbal dermaßen ausfranst, sobald man auch nur ein bisschen daran zupft, ist keines. Es passt dann höchstens zur gewohnten Kölner Fadenscheinigkeit, zum Schlendrian im Umgang mit der Dom-Umgebung.

Zu allem Überfluss beweist es den notorischen Unernst dieser Stadt, dass die Terror-Sperren direkt nach Abzug des letzten Journalisten schon keine mehr waren. Da zog die Polizei nämlich ihre Fahrzeuge ab, die eigentlich die Hauptsperre sein sollen. Was mit großem Tamtam präsentiert wurde, wird erst in einigen Tagen realisiert....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta