Kommentar: "Schutzzonen" für Frauen sind ein Signal der Kapitulation

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Silvesterfeier 2016 am Brandenburger Tor (Bild: Getty Images)

Auf der diesjährigen großen Silvesterparty in Berlin am Brandenburger Tor wird es eine spezielle “Schutzzone” für belästigte oder gar sexuell missbrauchte Frauen geben. Andere Städte werden womöglich nachziehen und ähnliche Zonen einrichten. Niemand scheint daran Anstoß zu nehmen, innezuhalten und zu hinterfragen: Was sind das eigentlich für furchtbare Zustände in diesem Land? Realisiert keiner, dass diese aus Hilflosigkeit geborenen “Schutz”-Maßnahmen ein Signal der völligen Kapitulation sind?

“Gewaltfreie” Areale und “männerfreie Gehege” für Frauen sollen also die Antwort darauf sein, dass Behörden und Politik den primitiv-sexualisierten Mob nicht in den Griff bekommt oder bekommen will?

Zustände wie im Mittleren Osten

Die strikte Trennung von Männern und Frauen kannten wir bisher nur von islamistischen Veranstaltungen und den Regimes des Mittleren Ostens, nicht in einem freiheitlich-demokratischen Staat in Mitteleuropa. Wenn dies die neue Normalität in Deutschland sein soll, warum dann nicht gleich Vollverschleierung für alle Frauen, damit die “Herren der Schöpfung” nicht zu sehr erregt werden?

Statt Symptome zu verdecken, sollte man Ursachen bekämpfen – und zwar drastisch. Die Berliner Kuscheljustiz ist Begleiterscheinung und unmittelbares Resultat der Berliner Politik. Die Folgen experimenteller Gesellschaftspolitik kann jedermann bestaunen.

Wer Parallelgesellschaften einsickern lässt, Polizei und Staatsanwaltschaft nicht den Rücken stärkt, sondern sie behindert, personell schwächt und geradezu bekämpft, der braucht sich nicht zu wundern über Zustände, vor denen Kritiker jahrelang gewarnt haben. Hätte man frühzeitig auf Experten gehört wie etwa den ehemaligen Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, statt sie mundtot oder lächerlich zu machen, wäre es soweit nie gekommen.

Wo bleibt der Aufschrei?

Angesichts der “Schutzzonen” muss man sich doch wundern: Wo bleibt der feministische Aufschrei? Wo bleibt der Kampf gegen das Patriarchat? Ruft Alice Schwarzer nur noch alleine? Ist der Kampf für Gleichheit von Mann und Frau jetzt schon verloren?

Die unbedingte Devise muss lauten: Keine Toleranz gegenüber Intoleranz. Mehr braucht es nicht; erst recht keine Twitter-Hashtags, bunte “Respect”-Armbändchen wie in Köln – oder als “Schutzzonen” verbrämte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit.