Kommentar zu Rasern: Bewährung oder lebenslang

Die Justiz sollte bei der Bestrafung tödlicher Wettrennen den Mittelweg suchen.

Die beiden Fälle haben einiges gemeinsam, und doch wurden sie von der Justiz extrem unterschiedlich entschieden. Das Landgericht Köln verhängte im April 2016 nur eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung, als zwei Raser sich ein Wettrennen lieferten und dabei eine Radfahrerin töteten. Das Landgericht Berlin verurteilte im Februar 2017 dagegen zwei Raser wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft. Auch diese beiden lieferten sich ein Rennen. Am Ende starb ein Rentner, dessen Fahrzeug erfasst wurde.

Kommt es auf das Gericht an?

Bewährungsstrafe oder lebenslange Haft: Kommt es letztlich darauf an, bei welchem Gericht die Angeklagten landen? Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Fällen – so haben die Berliner Raser mehrere rote Ampeln überfahren – aber eine so gewaltige Kluft im Strafmaß können diese Unterschiede nicht rechtfertigen.

Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob die Richter bei den Rasern Fahrlässigkeit oder Vorsatz annehmen. Fahrlässigkeit ist gegeben, wenn die Raser darauf vertrauen, dass schon alles gut gehen wird. Bedingter Vorsatz erfordert dagegen, dass sie den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen. Die Entscheidung ist schwierig, weil man in den Kopf von Menschen nicht hineinsehen kann.

Berliner Urteile im Herbst

Im Kölner Fall konnte der Bundesgerichtshof nun nicht dazu Stellung nehmen, weil sich die Revision auf das Strafmaß und die Bewährung beschränkte. Wenn der BGH im Herbst über die Berliner Urteile entscheiden muss, wird es hoffentlich Orientierung geben. Es ist zu hoffen, dass sich die Richter für einen Mittelweg entscheiden: harte Strafen wegen vorsätzlicher Tötung. Im Kölner Fall haben die BGH-Richter nun immerhin klargestellt, dass es auch bei fahrlässiger Tötung gute Argumente gibt, auf eine Bewährungsstrafe zu verzichten: Eines davon lautet, dass die Bevölkerung für eine Bewährungsstrafe kein Verständnis hat, wenn der Tod eines Menschen durch rücksichtslose Raserei verursacht wurde.

Fällt die Strafe höher aus, dann stellt sich die Frage nach der Bewährung schon gar nicht mehr. Denn eine Strafaussetzung ist nur bei Freiheitsstrafen bis zwei Jahren möglich. Doch zur Erinnerung: Auch bei fahrlässiger Tötung sind Strafen bis zu fünf Jahren Haft möglich. Das Landgericht Köln hat im Vorjahr einen 27-Jährigen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte mit einem BMW einen Radfahrer erfasst, der drei Tage später starb....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta