Kommentar: Plötzlich ist der Polizeipräsident überraschend offen

Polizeischüler an der Akademie in Spandau bei einem Pressetermin

Berlin. Klaus Kandt geht in die Offensive. Angesichts der Vorwürfe über die Zustände an der Polizeiakademie hatte Berlins Polizeipräsident bereits am vergangenen Freitag zum Ortstermin geladen. Die Journalisten sollten sich ein eigenes Bild von der Nachwuchsschmiede machen. Nun wendet sich Kandt auch an seine Mitarbeiter – und kündigt an, mit ihnen ins Gespräch kommen und eine Diskussion anregen zu wollen.

So viel Offenheit überrascht. Denn die Berliner Polizei fiel zuletzt nicht durch Transparenz und offene Diskussionskultur auf. Sondern durch Vertuschung und einen übertriebenen Korpsgeist, der Kritik und das Eingeständnis von Fehlern unmöglich machte. Das wurde besonders bei der Aufarbeitung des Behördenhandelns im Fall Amri deutlich.

Kandt hätte von den Vorwürfen wissen müssen

Und jetzt? Jetzt spricht der Behördenchef davon, dass sich Auszubildende "flegelhaft" benommen hätten, kritisiert einen anonymen Brief aus den eigenen Reihen als "hasserfüllt" und bescheinigt einem wohl ebenfalls von Polizisten verbreiteten Comic, dass dieser "zweifellos rassistisch" gewesen sei.

Eine derart offene Kritik hätte man von diesem Präsidenten nicht erwartet. In weiten Teilen wirkt der Brief allerdings so, als wäre Kandt angesichts der mindestens teilweise berechtigten Kritik an den Zuständen in der Polizeiakademie und angesichts des Frustes und des rassistischen Untertons einiger Beamter ernstlich überrascht. Als langjähriger Behördenchef hätte er von diesen Problemen aber wissen müssen. Mehr noch: E...

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