Kommentar "Neue Zürcher Zeitung": Indien Modi Säkularismus Chauvinismus

Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt über den Kampf des indischen Premierministers Modi gegen das säkulare Gesellschaftsmodell seines Landes:

"Die indischen Gründerväter waren sich bewusst, dass Indien nur dauerhaft eine demokratische Nation sein kann, wenn seine Minderheiten vollwertige Bürger sind. Jawaharlal Nehru, Indiens erster Premierminister, schrieb 1947: 'Wir haben eine muslimische Minderheit, die so gross ist, dass sie, selbst wenn sie das wollte, nirgendwo anders hingehen kann. Sie muss in Indien leben. Wir müssen ihr Sicherheit und die Bürgerrechte eines demokratischen Staates geben.' Modi und seine Anhänger kümmert das nicht. Es kümmert hingegen Hunderttausende Demonstranten, die seit Dezember an vielen Orten des Landes gegen die Regierung auf die Strasse gehen. Sie singen die Nationalhymne, schwenken die Verfassung, tragen Bilder der Gründerväter vor sich her. Von den Hindu-Nationalisten werden sie als Verräter beschimpft. Doch im Gegensatz zu diesen haben die Demonstranten verstanden, was die unwahrscheinlichste Demokratie der Welt möglich gemacht hat."

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