Kommentar: Mitleid mit Anton Schlecker

Tobias Huch
Freier Journalist
Anton Schlecker bei einem Gerichtstermin im Sommer 2017 (Bild: dpa)

Der Schlecker-Prozess ist vorbei und die Urteile sind hart, aber wohl leider rechtlich richtig. Durch den Prozess konnte jeder einen Einblick in das Unternehmen des Anton Schlecker bekommen.

Was auf den ersten Blick aussah wie ein “raffgieriger Unternehmer gegen die Tausenden Schlecker-Mitarbeiterinnen”, entpuppte sich als das traurige Scheitern eines engagierten, überforderten Mannes, der nicht an den Untergang seiner Firma glauben wollte, die Notbremse viel zu spät zog und am Ende mit seinen Kindern illegale Mittel anwendete, um zumindest für seine Nachkommen etwas zu sichern.

Für die Kinder des Anton Schlecker wird es hart. Beide müssen in den Knast. Als Ersttäter werden sie fast zwei Jahre in einer JVA einsitzen müssen, bevor die Reststrafe nach der Zweidrittel-Regel zur Bewährung ausgesetzt werden wird. Von guter Führung darf man ausgehen.

Warnschuss für Nachahmer

Aber sind solche Strafen wirklich sinnvoll? Den so genannten “Schlecker-Frauen” bringen die Strafen die Jobs nicht zurück. Viel mehr sind die Strafen ein Warnschuss für Andere in einer ähnlichen Situation. Ein Zeichen, dass man nicht per “Husch-Pfusch” auf die Schnelle versäumte Vorsorge ausgleichen kann.

Anton Schlecker mit seinen Kindern Meike und Lars (Bild: dpa)

Die Managementfehler, die Anton Schlecker bei der Führung seines Unternehmens gemacht hat, hat er auch bei der privaten Vorsorge begangen. Er haftet mit seinem kompletten Privatvermögen. Dieser Umstand zeigt, dass Anton Schlecker selbst nicht der raffgierige Unternehmer ist, für den ihn viele halten, sondern ein hart arbeitender Mann, der traumhaft ein Unternehmen aufgebaut hat und sich dann aus dem entstandenen Traum nicht lösen konnte.

Das zerstörte Lebenswerk

Dass ihm durch seine Frau am Ende das Haus geblieben ist und er nicht in Armut leben wird, wird Anton Schlecker nur wenig trösten. Sein unternehmerisches Kind, sein Lebenswerk, die Firma Schlecker, ist weg und kommt nie wieder. Seine beiden leiblichen Kinder verliert er für zwei Jahre, danach wird er zumindest sie wieder in die Arme schließen können.

Wir sollten ihn nicht verachten oder hassen. Wir sollten über das Verhalten der Kinder den Kopf schütteln und Mitleid mit Anton Schlecker haben.