Kommentar: Merkel spürt Erosion ihrer Macht - und hat nur eine Chance

Walter Steinmeier berät mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wie es nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen weitergehen soll

Berlin. Die gute Nachricht: Dieses Land wird nicht untergehen. Im besten Fall wirkt die durchaus heftige Regierungskrise wie ein politischer Herbststurm. Da wird totes Holz aus dem Wald gepustet, die Standfestigkeit aller Bäume getestet, morsche Stämme werden umgeworfen. Und am Ende steht das Land stabiler da. Gut so. Lieber einige Monate mehr Geduld aufbringen, als das Land in vier Jahre Dauerknatsch-Koalition zu zwingen. Neuwahlen mögen lästig sein, kommen aber günstiger als ein Frieden, der mit Unsinnsmilliarden erkauft wird. Demokratien bewähren sich im Durcheinander, wenn die Akteure rausgejagt werden aus der Komfortzone, wenn ermüdende Polterrituale aufhören, wenn neue Ernsthaftigkeit einzieht, wo bislang oft durchchoreografiert wurde. Jamaika geplatzt – Diese Szenarien sind jetzt möglich

Seien wir ehrlich: Auf dem Jamaika-Projekt lag von Anfang an kein Segen. Da war zunächst ein schwacher Bayer, der weniger um das Schicksal Deutschlands als um sein eigenes Überleben verhandelte. Dann die detailversessenen Grünen, die ganz fest an die Macht vieler neuer Regeln glauben, aber, wie die CSU, ihr Führungsproblem ignorierten. Peters, Habeck, Özdemir, Göring-Eckardt, Kretschmann – es ist wie mit Europa: Wen soll man anrufen?

Wird schon, dachte die Kanzlerin. Ein Irrtum

Und die Kanzlerin? Die Angaben gehen auseinander, ob Angela Merkel sich nun rührend um die Koalitionäre kümmerte oder sich eher präsidentinnenhaft im Hintergrund hielt. Nie in ihrer Amtszeit war die notorisch misstrauische ...

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